Gratwanderung

Seelenbeitrag Tag 8 Es ist jedes Mal eine Gratwanderung. Da sein. Zuhören. Verständnis zeigen. Mitgefühl äußern. In der Theorie weiß ich, wie freundschaftliche Beziehungen funktionieren. Aber in meiner ganz eigenen Welt tänzel ich permanent zwischen den Anforderungen. Der innere Druck, da sein zu müssen. Der Drang, mein Gegenüber zu vermeintlich perfekten Handlungen zu bringen. Und mich selbst darüber zu vergessen. Unverständnis dominiert, genervt sein kommt dazu. Wo ist die Grenzlinie zwischen all meinen Worten? Wieviel bin ich bereit zu geben? Wieviel sollte ich geben? Und wie beschütze ich mich? Ich bin absolut ratlos und fühle mich wie ein soziales Desaster. …

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Stolz und Zweifel

„Eigentlich will ich gerade gar nicht darüber reden!“ sagte ich zu meiner Psychologin aus der Ambulanz und schaute beschämt zu Boden. „Okay! Das ist vollkommen in Ordnung!“ Ich glaube das war das erste Mal, dass ich diesem unbehaglichen Gefühl in mir eine Stimme gegeben habe. Wie oft saß ich bei meiner ehemaligen Therapeutin und antwortete auf ihre Fragen nur mit „ich weiß nicht“ oder „keine Ahnung“, obwohl ich in dem Moment eigentlich über etwas vollkommen anderes sprechen wollte?! Und natürlich kann ich keine zufriedenstellenden Antworten finden, wenn ich mit dem Kopf ganz woanders bin. Es machte mich unzufrieden und auch wütend. …

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Zerbrochen

Mein Aufenthalt fühlt sich gerade einfach ungut an. In mir ist das Gefühl ‚allein gelassen‘ zu werden und als gestern eine bestimmte Grenze überschritten war, haben mich die Gefühle überrannt: Schmerz, Enttäuschung, Traurigkeit, Verzweiflung, Wut. Ich habe so viel geweint wie lange nicht. Und es ist gut, dass ich weinen konnte, auch wenn es sich noch schrecklicher anfühlt, als keine Gefühle zu haben. So existenziell. Ich verliere in solchen Momenten den Blick für die ‚reale‘ Welt. Alles erscheint unabwendbar, alte Muster übernehmen und in mir schreit es nach Flucht. Flucht aus der Klinik, Flucht vor dem Gefühlschaos, Flucht aus dem …

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Ankommen

Die ersten Tage in der Klinik Ich bin seit 2 Tagen in der Reha und versuche mich nun langsam einzugewöhnen. Die Tage Woche vor meiner Anreise war sehr stressig und ich bin an die Grenze meiner Kräfte gestoßen. Trotzdem habe ich alles noch rechtzeitig geschafft. Wahrscheinlich auch dank meiner frühen Planung mit Checkliste. Bullet Journal rules! Bereits in den ersten Stunden hier habe ich bemerkt, wie stark mich meine sozialen Ängste doch noch einschränken – die Angst vor Fehlern bzw. fehlerhaftem Verhalten und Bewertungen sitzt tief. Teilweise auch so versteckt, dass ich es gar nicht bewusst wahrnehme. Dazu kam mir …

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Überforderung mit Fluchttendenz

In knapp 2 Wochen geht meine Reha los! Gestern war der Brief der Klinik mit meinem Aufnahmetermin in der Post. Einerseits bin ich erleichtert, endlich ein Datum zu haben, andererseits macht mich die Nervosität total unruhig. In meinem Kopf ging es auch direkt drunter und drüber. Was muss ich alles noch erledigen? Welche Unterlagen müssen noch verschickt werden? Wen muss ich informieren? Ich bin schon allein mit diesem organisatorischen Kram etwas überfordert. Wenn dann noch solche Gedanken wie „hoffentlich bekomme ich eine Therapeutin und die Leute dort sind nett“ hinzukommen, fängt das Karussell erst richtig an zu drehen. Dem Brief …

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Wanted: Soziale Kontakte!

Keine soziale Isolation bei Depressionen

Am Samstag hatte ich seit Mitte Dezember das erste Mal wieder eine Therapiesitzung. Eigentlich wollte ich ein bestimmtes, durchaus unangenehmes Thema ansprechen, aber irgendwie erschien es mir ‚wichtiger‘ einfacher über die Zeit zu berichten, in der wir uns nicht gesehen hatten. Dabei lässt mir meine Therapeutin jedes Mal die Möglichkeit ein ‚eigenes‘ Thema einzubringen. Wir sprachen also über Weihnachten, den Besuch meiner Mutter, meine Krankheitsphasen und über die Arbeit. Augenscheinlich viel Redebedarf, aber vielleicht war es nur ein strategisches Vermeiden. Manchmal wünsche ich mir bei der Therapie mehr ‚bei mir‘ zu sein, mehr in ‚meinen Gefühlen‘ zu sein. Einfach hinschauen, ohne Angst …

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Wenn sich Senioren unterhalten…

sollte auch ich nicht pauschalisieren! 🙂 Als ich gestern in der Straßenbahn zu meiner Therapiesitzung saß, unterhielten sich gegenüber von mir zwei Seniorinnen miteinander. Leider konnte ich nicht weghören als sie die Lage der Flüchtlinge thematisiert haben. Wobei die eine ältere Dame das Wort Flüchtling gar nicht in den Mund nahm. Sie formulierte es so: „Dann schlagen die sich in den Heimen die Köpfe ein. Was die nur für ein Pack in unser Land holt!“  Ich mag dieser älteren Frau nicht unterstellen, rassistisch zu sein, aber ich war kurz davor, meinen Mund aufzumachen. In Sekundenschnelle habe ich mich hinreißen lassen, genauso verurteilend …

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