Achtsame Augenblicke

An manchen Tagen fällt es mir besonders schwer, achtsam zu sein. Heute ist so ein Tag. Auf dem Weg zum Park habe ich schon nach ein paar Metern bemerkt, dass ich nicht so ganz da bin. Die Umgebung waberte in einem bunten Matsch um mich herum und die Konturen der Radfahrer*innen und Fußgänger*innen verschwommen zu einer anonymen Masse. In diesen Momenten kann ich noch so sehr wollen, im Hier und Jetzt zu sein, es klappt einfach nicht. Kein Wunder! Was klappt schon mit einem derart großen Druck?! Früher habe ich mich regelmäßig dafür fertig gemacht. Mittlerweile versuche ich stattdessen, mich an winzigen Augenblicken festzuhalten. Sei es ein Vogel, der plötzlich etwas lauter zwitschert als üblich oder die pinken Rosenblüten, die mir spontan ins Auge fallen oder die Horde an Marienkäfer, die zur Zeit auf jedem Blatt und jeder Blüte sitzen.

Als ich immer mehr der kleinen gepunkteten Käferlein entdeckte, kam mir die Überlegung in den Sinn, ob Marienkäferlarven wissen, wann sie zu schlüpfen haben, und ob sie sich dabei kollektiv verhalten. Was mich dann wiederum zu der Frage führte, ob Marienkäfer Eier legen? Rein theoretisch müssten sie das, weil sie schließlich keine Säugetiere sind. Aber mal ernsthaft, weiß einer von euch spontan, wie Marienkäferlarven geboren werden? Wikipedia sagt, dass ein Marienkäferweibchen bis zu 400 Eier legen kann. Wahnsinn! Und da die Eiablage zeitlich sehr eng gefasst ist, ist es wohl eher ein kollektives Eier legen. Wer mehr darüber wissen möchte, schaut doch mal hier vorbei https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkäfer

Meine Bank war heute glücklicherweise frei. Perfekt für eine kleine Achtsamkeitsübung. Ich setzte mich auf das sonnengewärmte Holz und habe für eine Minute die Augen geschlossen, um mich nur noch auf das Hören zu konzentrieren. Und wow, ich bin jedes Mal aufs Neue überwältigt, was ich dabei alles wahrnehmen kann. Von nah, von fern, lauter und leiser. Sogar die Blätter haben im Wind unterschiedliche Klänge. Danach blieb ich noch ein paar Minuten mit offenen Augen sitzen. Atmen und beobachten. Im Baum vor mir hüpfte eine Amsel von Ast zu Ast und pflückte die ersten Kirschen ab. Dabei schaute sie schelmisch in meine Richtung, bildete ich mir zumindest ein.

Auf dem Rückweg entdeckte ich auf einigen Blättern seltsame Gebilde. Ich habe davon kein Foto gemacht, mich jedoch gefragt, ob es Kokons sind. Als ich etwas näher ran bin, um es mir genauer anzusehen, hüpfte direkt vor meinen Füßen ein rotbraunes Eichhörnchen gemächlich über den Weg. Ich blieb ganz still stehen, das Eichhörnchen blieb ganz still stehen, wir schauten uns an und dann verschwand es ins Gebüsch. Hach, was für ein Moment! ❤️

Ich bin heute auch viel langsamer gelaufen als üblich. Das mag wohl einerseits an der Schwüle liegen, andererseits scheine ich diese Entschleunigung gebraucht zu haben. Es erinnert mich an eine Situation in der Klinik. Ab und zu war ich während meiner Einzelsitzungen mit meiner Bezugstherapeutin im Wald spazieren. Sie lief dabei immer recht langsam, was mich wirklich wahnsinnig gemacht hat. Irgendwann sagte ich zu ihr, dass sie doch bitte nicht so schleichen soll. Ich glaube, heute habe ich verstanden, wieso sie damals so geschlichen ist. Frau B., Sie wären stolz auf mich, wenn Sie wüssten, wie lahmarschig ich heute unterwegs gewesen bin 😉

Habt ein schönes Wochenende! Tut euch etwas Gutes! Auch wenns nur ein winziger Moment ist!

3 Gedanken zu „Achtsame Augenblicke“

  1. SchönensMomente… schön geschrieben 💙

    Die Gebilde sind vielleicht Gallen? (nur eine Idee) 😊

    …mit blauen🐘Grüßen

    Antworten

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