Normalität

Seelenbeitrag Tag 18

Heute Mittag saß ich an meinem Schreibtisch und habe überlegt (Freudscher Versprecher am Start: überlebt), was mich gerade mehr belastet. Meine körperliche Verfassung oder meine Psyche. Natürlich kann ich das Eine nicht von dem Anderen trennen. Geht es mir körperlich schlecht, leidet auch meine Stimmung enorm. Und umgekehrt. Vor dem Wochenende war ich noch guter Dinge, dass es langsam wieder bergauf geht. Die Impfstrapazen waren überstanden und ich dachte, dass ich jetzt wieder ein wenig Planung in mein Alltagschaos bringen kann. Tja, zu früh gefreut. Pünktlich in der Mitte meines Zyklus meldete sich die Migräne. Und es ging einfach gar nichts. Kein Haushalt, kein Planen, kein Schreiben, kein Rausgehen – nur irgendwie die Schmerzen ertragen und ausruhen.

In der Videotherapie mit der Übergangstherapeutin erzählte ich von meinem Zusammenbruch in der letzten Woche und den damit verbundenen Gedanken. Ich stellte die Frage in den Raum, wie ich mit meinen vielen Baustellen jemals ein ’normales‘ Leben führen soll? Wie habe ich das früher bloß geschafft!? Halt warte; seitdem ich von zu Hause ausgezogen bin, hatte ich nie ein völlig ’normales‘ Leben. Es war eher ein Stolpern, Verirren und Neuplanen. Und eigentlich sollte so eine Erkenntnis doch Gefühle auslösen, tut sie gerade aber nicht.


Ich mag diesen Wildblumenstreifen unheimlich gerne

2 Gedanken zu „Normalität“

  1. … ich stelle mir diese Frage auch sehr oft. Vor allem nach Rückfällen oder schwierigen Tagen. Meine schlaue Frau hat mir dann immer versucht vor Augen zu halten, dass es das „normale“ Leben ohne stolpern, verirren und umplanen eigentlich selten bis gar nicht gibt. Ich musste das wirklich einige Male hören, bis ich davon zumindest im Ansatz überzeugt war. Doch manchmal hilft mir das. Mich selbst zu hinterfragen, was denn das “ normale“ Leben sein soll. Wie soll dieses aussehen. Und wie realistisch ist es, dass die anderen das haben. Und wenn sie es haben, wie glücklich sind sie wohl damit? Und wievielt ist davon Fassade? Damit möchte ich deine Zweifel, Sorgen und Ängste nicht mardig oder unwichtig reden. Das sind sie wahrlich nicht. Aber vielleicht kann dir das auch ein wenig helfen. Liebe Grüße! Das Leben ist niemals gerade! Lynn ☀️

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    • Hallo Lynn,
      du hast natürlich Recht! Kein Leben ist perfekt – von vorne bis hinten nach Plan. Und was ist schon ’normal‘? Ich hadere gerade nur sehr damit, dass ich vlt. nicht das Leben leben kann, wie ich es mir immer gewünscht habe. Obwohl ich nicht einmal weiß, wie ich es mir wirklich gewünscht habe? Alte Wünsche waren eher ein Abklatsch stereotypischer Erwartungen. Und wann kann ich wieder arbeiten? Wie soll ich das mit all den aktuellen Einschränkungen schaffen? Vor mir liegt noch dermaßen viel Unsicherheit, dass es mir immer wieder Angst macht.
      Viele Grüße von Annie

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