In die Falle getappt

Seelenbeitrag Tag 5

Puh, bin ich geschafft! Heilige Scheiße, war das anstrengend! ABER die Küchenschlacht ist erfolgreich geschlagen! Gestern noch habe ich auf den Berg aus Geschirr geschissen, heute war es zusätzlich gemachter Stress. Dennoch, so platt ich gerade auch bin, es fühlt sich toll an, eine saubere Küche zu haben. Vor allem wieder alles benutzen zu können. Da macht das Kochen gleich viel mehr Spaß!

Apropos Kochen und Essen. Letztens habe ich mit einer Freundin über das Abnehmen gesprochen. Sie erzählte mir, dass sie seit Anfang des Jahres Weight Watchers mache und schon einiges damit abgenommen habe. Und da ich gerade auch wieder extrem mit meinem Gewicht struggle, habe ich mich kurzerhand entschlossen, dem Programm nochmal eine Chance zu geben. Obwohl ich eigentlich genau weiß, dass Punkte zählen oder überhaupt irgendetwas zählen, meinem strafenden Anteil permanent Stoff liefert.

Ich habe vor 15 Jahren schon einmal mit Weight Watchers abgenommen. Damals war es ein guter Einstieg, um meine Ernährung umzustellen. Bis heute esse ich jeden Tag Obst und Gemüse. Ein Brot mit Aufstrich ohne Rohkkost ist kein richtiges Essen mehr 😉 – das gehört für mich einfach zusammen. Und trotzdem stehe ich dem Programm skeptisch gegenüber. Denn es hat mich auch an den Punkt gebracht, dass ich 24/7 über mein Essen nachgedacht habe. Ich konnte mir nichtmal mehr eine Kugel Eis gönnen. In meinem Kopf war die Überzeugung, dass genau diese Kugel mich fett machen würde.

Wieviel Punkte habe ich heute schon gegessen? Wieviel Punkte sind noch übrig? Reicht das heute noch aus? Wieviel Punkte hat XYZ? Passt das noch ins Budget? Wenn ich XYZ esse, kann ich dann später noch mein Abendessen essen? Und werde ich davon satt? Am besten ich esse XYZ nicht! Ich werde sonst eh nur wieder fett!

Ich würde sagen, ich habe damals eine sehr essgestörte Denkweise angenommen und bin froh, irgendwie den Absprung geschafft zu haben. Deshalb wollte ich auch eigentlich nichts mehr mit dem Punktesystem zu tun haben. Trotzdem habe ich mich vor zwei Tagen bei Weight Watchers angemeldet und mir selbst zur Auflage gemacht, das Programm direkt zu beenden, sobald ich den ganzen Tag nur noch über das Essen nachdenke. Was soll ich dazu sagen?! Schon die ersten beiden Tage haben mich schockiert.

Ich hatte gestern einen richtig guten Ernährungstag und war deshalb sehr stolz auf mich. Als ich die Lebensmittel dann aber in die App eingetragen habe, sprang mir sofort ins Auge, dass ich (erheblich) über meinen Tagesbedarf gekommen bin. Wisst ihr, wie scheiße sich das angefühlt hat? Entgegen meiner Wahrnehmung, dass es doch eigentlich ein guter Tag gewesen ist?!

Ich wollte es dann genau wissen. Der innere Kritiker schrie mir auch schon vorwurfsvoll ins Ohr: „Kein Wunder, dass du so fett bist! Du isst einfach viel zu viel!“. Also zählte ich die Kalorien meiner Mahlzeiten zusammen. Denn Kalorien lügen nicht! Im Gegensatz zu einer Punktzahl, die mit einer geheimen Formel erstellt worden ist. Und was kam dabei heraus?! Ich war meilenweit entfernt, zu viel zu essen. Im Gegenteil. Ich war sogar noch ein gutes Stück unter meinem Grundumsatz. Das hat mich wirklich wachgerüttelt.

Ich werde mein Abo widerrufen. Die App ist bereits von meinem Handy gelöscht. Ich kann und will nicht mit diesem Programm arbeiten. Und was mache ich jetzt, um mein Gewichtsproblem in den Griff zu bekommen? Einerseits brauche ich einen Rahmen, an dem ich mich entlanghangeln kann, weil es ohne einfach nicht klappt. Andererseits wird jede Verbindung von Essen mit Zahlen irgendwann zu einem Problem. Die optimale Lösung habe ich leider noch nicht gefunden.

4 Gedanken zu „In die Falle getappt“

  1. Puh ja.
    Ich habe leider ähnliche Erfahrungen machen müssen. Gut, dass du da so schnell wieder den Absprung schaffst!

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    • Das war damals ein schleichender Prozess. Deshalb war ich auch skeptisch, ob ich mich nochmal drauf einlassen soll. Ich bin froh, dass ich mittlerweile meine Warnzeichen erkennen kann. Bisher kommt das Programm bei vielen, die ich befragt habe, nicht gut weg. Und ich finde es echt bedenklich, wieviele Menschen überhaupt schon damit Erfahrungen gemacht haben.
      Hab einen schönen Abend!

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  2. Mir ging es mit yazio so…den ganzen Tag nur noch überlegt, wieviel ich von was essen kann oder wieviele Schritte ich zusätzlich laufen muss, um mir jetzt ein Eis zu gönnen…für mich gar keine gute Lösung…

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    • Danke für deinen Kommentar, liebe Lily. Mir geht es ähnlich, sobald Zahlen und Spiel kommen. Irgendwas läuft dann ganz verquer. Leider schaffe ich ohne Kontrolle kein angemessenes Essverhalten. Das erschwert es zusätzlich. Meine Hausärztin meinte, dass ich ‚einfach‘ kleinere Portionen essen solle. Dabei liegt es nicht an den Portionen oder Hauptmahlzeiten bei mir. Sondern an dem emotionalen Essen zwischendurch 🙄

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