Zweifel

Seelenbeitrag Tag 3

Es ist erst der dritte Tag meines Selbstexperiments und ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich das überhaupt machen will. Mein innerer Kritiker – wieso bist du eigentlich männlich?? – sitzt ja doch ständig hinter mir, um mir ins Ohr zu flüstern, wie scheiße meine Sätze klingen und es sowieso keinen interessiert, was ich schreibe. Natürlich kann ich den Anteil, der gerne Aufmerksamkeit möchte, nicht komplett fernhalten, aber im Grunde möchte ich doch nur zu mir selbst zurückfinden. Wieso hältst du dich so hartnäckig, lieber Kritiker? Wieso willst du immer, dass ich gefalle? Was ist so schlimm daran, krumme Sätze und belanglose Dinge zu teilen? (Ich weiß die Antworten natürlich zum Teil, möchte aber an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen).

Womit ich auch schon beim nächsten Punkt wäre. Ich bin mir unsicher, was ich hier wirklich teilen will. Was soll für die Außenwelt sichtbar im Netz stehen und was nicht?! Wann ist es für mich zu viel? Ich spüre das manchmal erst einige Tage, nachdem ich es bereits aufgeschrieben und herausgesendet habe. Und auch an diesem Punkt mischt der Kritiker selbstverständlich mit. Bewertung, Bewertung, Bewertung! Von Innen in Bezug auf das Außen. Anstrengend!

Es folgt eine kleine Fotostrecke meines heutigen Spaziergangs. Ich bin zwar geschlichen wie eine Schnecke, habe dafür aber einige achtsame Tiermomente erleben dürfen. (Bilder anklicken, um sie in voller Größe sehen zu können)




5 Gedanken zu „Zweifel“

  1. Ich liebe deine Beiträge ebenso und lese sie immer gern! Mich interessiert es auch sehr. Versuch‘ den Kritiker vor die Tür zu stellen. Du schaffst das!

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    • Danke für deine Worte, Lymn (ich vermute du bist Lynn?)

      Der Kritiker ist bei mir immer überlaut und spielt gerne dem Strafenden zu, damit der mich dann fertig machen kann. Ich brauche eine Lösung, wie ich den Kritiker besser nutzen und den Strafenden in den Keller sperren kann. Am besten einbetonieren 😎

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  2. Na, du siehst ja in den Kommentaren, liebe Annie,
    dass deine Worte berühren,
    allein schon der Mut, sie in die Welt zu bringen, hej!!!

    Was das Einbetonieren des Kritikers betrifft, erinnere ich mich an den lastenbefreiten Moment, indem das schwarze große Etwas sich in einer Zimmerecke gemütlich dahin lümmelte und – als ich den Blickkontakt aufnahm – mich angrinste. Mit der typischen Zwei-Finger-Geste von Augen zu Augen übermittelte mir meine Depression, dass sie mich nach wie vor im Blick behalten werde und sich – falls nötig – wieder um mich legen werde.

    Da begriff ich zum ersten Mal, dass die Depri nichts ist, was ich bekämpfen muss geschweige denn kann. Ich erkannte zum ersten Mal, dass sie sowas wie ein Schutzmantel meiner Seele war und ist. Allerdings ein recht gnadenloser, sozusagen ein Last-Exit-Konstrukt.

    Es war ein Moment des völligen Perspektivwechsels: All das Dagegen-Ankämpfen, das Daran-Verzweifeln, das Erschöpft-Aufgeben wirkte auf einmal wie das Ziehen an einer Tür, die in Wirklichkeit nach innen aufgeht.

    So versuche in nun auch meinen kritischen, bewertenden, beurteilenden, verurteilenden Anteilen immer wieder ihren Platz zu zuweisen. Nicht als vermeintliche Leiche im Keller, durchaus in meinem Blickfeld, aber ich versuche zumindest der Handelnde zu bleiben.

    Mir hilft übrigens der Tolle Eckhart 🙂 mit seinem unermüdlichen ins Jetzt-Holen mich von den Schatten der Vergangenheit und den Ängsten der Zukunft kleinschrittchenweise zu lösen.

    Alles schöne Worte. Sehr schwierig umzusetzen. Mühsames tägliches Exerzitium. Und wehe, die Nacht kommt. Aber … im Keller treibt „er“ (oder was immer in ihm zum Ausdruck kommt) bei mir zumindest reichlich Unwesen.

    Ich freue mich schon auf deine nächsten Beiträge…. gleich mal lesen … 🙂

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