Wie die Zeit vergeht

Ich kann noch gar nicht glauben, dass es bald schon November sein soll. Da ist Weihnachten nicht mehr weit und wieder ein Jahr vorüber. Ein Jahr, von dem ich mir ‚mehr‘ erhofft hatte. Ein Jahr, was ein ‚mehr‘ an Veränderung bringen sollte. Wahrscheinlich werde ich erst im Rückblick begreifen, welche Art von Veränderung bereits geschehen ist. Gerade bin ich eher hoffnungslos.

Seit 9 Wochen in der Klinik – 9 Wochen, die ewig lang und gleichzeitig zu kurz erscheinen. Auf den Platz habe ich so sehnsüchtig gewartet – auf die Chance mit meiner Bezugstherapeutin an das letzte Jahr anknüpfen zu können. Mir ist bewusst, dass eine stationäre Therapie immer nur einen Bruchteil auf meinem Weg ausmachen wird. Meine Ziele waren realistisch. Trotzdem bin ich enttäuscht, unzufrieden und eben hoffnungslos.

In mir ist so viel zum Vorschein gekommen, von dem ich glaubte, es längst ‚abgeschlossen‘ zu haben. Auf einmal ist da wieder dieser riesige Berg an Verstrickungen und Schmerz, den ich bereits überwunden glaubte. Was nun?! Wie weitermachen?! Der Verstand möchte Pläne machen, das Problem lösen; das Gefühl ist überfordert und verzweifelt.

Zu oft übernimmt mich die alte Hilflosigkeit und Ohnmacht, die mir einreden mag, dass ich völlig einsam und absolut lebensunfähig bin. Für das verletzte Kind in mir war ist das wahrscheinlich auch die Wahrheit. Nur ist mein Körper bereits groß und mein Ich erwachsen. Immer wieder orientieren, sichern, trösten, Halt geben – nicht wissen, wie und ob ich das kann (und will). Ohne Therapieplatz nach Hause gehen. Angst vor der Zukunft. Irgendwie weiterleben.

2 Gedanken zu „Wie die Zeit vergeht“

  1. Liebe Anni, ich fühle wie furchtbar anstrengend die letzten Wochen für dich gewesen sind.Ich glaube an dich, du bist nicht klein zu bekommen, das muss sich die Vergangenheit eingestehen, immerhin bist du jetzt hier? ??
    Ich bin aktuell in einer anderen Lage, wo ich das verletze 3 Jahre alte Ich sehe, es ist furchtbar traurig. Ich hab nicht die Sprache um mit ihm zu sprechen.

    Wie eine rote Schnur sehe ich, den Einfluss auf mein Leben.
    Es gibt einen Impuls, alles was ich bin bebt, es prüft Menschen die mir nah kommen, bis die Angst eintritt und ich wieder verlassen bin.
    Selbstsabotage, selbsterfüllende innere Prophezeiung. Bei mir ist es das Gefühl das ich mir alleine helfen muss so ausgeprägt, da die kostenzusage eine extra Runde drehen möchte. Neben den ganzen impulsiven Verhalten und der selbstwirksamen Auseinandersetzung damit, fühlt es sich an wie die Lösung für meine Suche, aber gleichzeitig hab ich mein ganzes Leben gesucht.

    Und jetzt? ⚛️

    Es gilt herauszufinden wie ich dieses Loch füllen kann vll kommt ja doch noch aus dem nichts das okay und der Rahmen wird geboten mit einer stationären Therapie, bis dahin, übe ich mich in Geduld. Dem bastelrausch bin ich verfallen ?

    ?Was ich eigentlich sagen möchte, Annie! Wenn Löwenzahn ?durch Asphalt wachsen kann, dann werden wir es auch schaffen, egal was wir uns vornehmen. ???

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  2. Hi liebe Anni
    Ich kann mich so gut in dich hineinversetzen. Der ganze Berg mit Problemen kann unüberwindbar wirken. Mein Therapeut vergleicht das immer mit einem Tunnel. Er sagt mir, dass ich vielleicht das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen kann, oder das Tal am anderen Hang des Berges, aber für den Moment muss ich wissen, dass es da ist.
    Ich kenne die perfektionistischen Ansprüche und die Unzufriedenheit mit sich selber. Da macht man doch so viel aber man ist immer noch nicht „normal“. Doch was ist normal? Ich habe gelernt, die kleinen Dinge die ich hinkriege viel mehr zu wertschätzen und mich nicht mehr so mit anderen zu vergleichen. Aber ich weiss auch, wie unendlich schwierig das sein kann. Aber schlussendlich sind wir alles Kämpfer und besitzen mehr Stärke, als wir eigentlich wissen.
    Ich wünsche dir alle Kraft der Welt
    Laura

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