Seifenblasenträume

Wir hatten diese Woche endlich wieder unsere Skillsgruppe in der Ambulanz. Ich war davor allerdings etwas unsicher, ob ich die Anderen überhaupt wiedersehen möchte. Wir hatten uns immerhin seit Anfang März nicht gesehen. Das ist eine lange Zeit. Und mir fällt es schwer über längeren zeitlichen Abstand in ‚emotionaler‘ Verbindung zu bleiben.

Dank unserer DBT-Therapeutin gab es immerhin einige Online-Sitzungen per Videokonferenz, für die wir in Kleingruppen aufgeteilt worden sind. Bei meinen Terminen waren wir sogar nur zu zweit (eine Mitpatientin und ich). Dadurch konnten wir beide sehr individuelle Situationen besprechen, was in der Großgruppe vor Ort logischerweise nicht geht. Allerdings blieben wir thematisch auf der Stelle stehen. Das war schon etwas echt frustrierend, weil ich das Thema Stresstoleranz langsam nicht mehr sehen kann. Nicht, dass ich ein Profi darin wäre – ich scheitere noch oft genug an Radikaler Akzeptanz und innerer Bereitschaft.

Manchmal denke ich, dass mein Leben bzw. die Vorstellung meines Lebens auf überzogenen Idealvorstellungen aufgebaut ist. Kleine wunderschöne Seifenblasen, die jedoch jedes Mal zerplatzen sobald sie auf die Realität prallen. Und ganz vielleicht muss ich diese Realität ‚endlich‘ anerkennen – mit all meinen Gedanken und Gefühlen akzeptieren?! Irgendetwas in meinem Inneren wehrt sich jedoch vehement dagegen.

Ich schrieb vor Kurzem auf Instagram, dass es sich an schlechten Tagen für mich so anfühlt als wären Skills nur kleine Pflaster auf einer Wunde, die sowieso immer wieder aufgeht. Und an diesen Tagen frage ich mich dann auch, ob das alles überhaupt Sinn macht. Unsere Therapeutin meinte dazu, dass meine Überlegungen schon ganz richtig sind. Skills für den Hochstress sind eben ’nur‘ Pflaster auf einer Wunde, die dadurch sicherlich nicht vollkommen heile wird. Es gehe viel mehr darum, diese Wunde erst einmal notfallmäßig zu versorgen. Wenn sichergestellt ist, dass sie sich nicht weiter verschlimmern kann, können wir uns um die eigentliche Behandlung kümmern.

Und damit starten wir dann beim nächsten Mal – Emotionsregulation. Ich habe großen Respekt vor diesem Modul, weil ich weiß, dass es ans Eingemachte gehen wird. Gleichzeitig freue ich mich, endlich an diesem Punkt zu sein. Ich möchte noch so viel wie möglich lernen, um mit einer stabilen Basis in die Klinik gehen zu können. Mein Ziel ist es, dort endlich in die tieferen Schichten einzutauchen. Dafür brauche ich allerdings eine gute Taucherausrüstung.

Habt ihr eigentlich schon Erfahrungen mit Skills gemacht? Was hilft euch in emotionalen Notfällen?

Beitragsbild von Pixabay

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