Um Hilfe bitten

Mir fällt es total schwer, um Hilfe zu bitten. Wenn es mir emotional schlecht geht, wünsche ich mir oft Hilfe von Außen. Nur meist weiß ich gar nicht, was ich genau brauche. Die kleine Annie träumt von einer ‚Mutter‘, die sie rettet, aber die große Annie weiß genau, dass nur ich selbst mir diese Mutter sein kann. Ich weiß jedoch noch nicht, wie das geht?!

In der Reha habe ich mich zum ersten Mal getraut nach Hilfe zu fragen. Und irgendwie war es eine gute Erfahrung, denn dadurch baute ich nach und nach Vertrauen zu meiner liebsten Schwester aus der Pflege auf. Trotzdem blieb das Gefühl zu nerven oder nicht ‚wichtig‘ genug zu sein. Meine Kinkerlitzchen sind doch gar nicht so schlimm!

Vor ein paar Tagen habe ich mich etwas getraut, was ich noch nie gemacht habe und evtl. auch unter ‚um Hilfe bitten‘ fällt. Ich bin seit Anfang Juli in Warteposition für einen Termin in der Borderline Ambulanz. Zuerst musste ich wegen interner Umstrukturierung länger auf einen Termin warten als üblich, dann landete ich bei einem Facharzt statt bei der zuständigen Psychologin und schließlich wurde der Termin bei ihr auch noch kurzerhand um eine Woche verschoben. Das war der Punkt, an dem ich bemerkt habe, wieviel Kraft es mich gerade kostet, zu warten. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und rief die Psychologin am nächsten Tag persönlich an, um sie um einen früheren Termin zu bitten. Sie war richtig nett und total verständnisvoll, so dass ich wirklich schon drei Tage früher kommen kann. Es sind ’nur‘ drei Tage, aber für mich bedeutet es die Welt.

Allerdings bleibt mein Kopf bei so etwas natürlich nicht still. War ich nicht zu aufdringlich oder nervig? Habe ich wegen ein paar Tagen dramatisiert? So schlecht geht es mir ja auch wieder nicht! Ihr kennt das sicherlich!

Und trotzdem bin ich ein wenig stolz, denn ich habe mich überwunden, etwas vollkommen Neues auszuprobieren. Ich habe mich weder von der Dame am Empfang noch von dem AB abschrecken lassen und irgendwie doch noch gut für mich gesorgt.

3 Gedanken zu “Um Hilfe bitten

  1. Mein ehemaliger Therapeut wäre auch stolz auf Dich, liebe Annie. Und ich bin es auch.
    Ich habe ähnliche Probleme, die nicht nur das „um Hilfe bitten“ betreffen. – Das war oft Thema in meinen Therapiesitzungen. Und irgendwann tauchten da so Begriffe wie „Psychohygiene“ und „Selbstfürsorge“ auf. – Letzterer Begriff sprach mich ein bischen an, weil er das Wörtchen „Fürsorge“ enthielt.
    Ich habe aus den Gesprächen und Erklärungen mit bzw. durch meinen Therapeuten einiges mitgenommen, verstehen (WIRKLICH verstehen) gelernt, und manchmal kann ich inzwischen auch etwas umsetzen in dieser Richtung. Nicht immer, längst nicht, aber immerhin. – Und ich bemerke, dass sich das trotz auch mancher Zweifel im Nachhinein bislang letztlich immer gut angefühlt hat.
    Wahrscheinlich hast Du anlässlich Deiner beiden Erfolge auch ein wenig so empfinden können. Das freut mich ganz aufrichtig.
    Ich wünsche Dir daher, dass Du es, wie ich, immer wieder versuchst – ich weiß, wie gesagt, manchmal schafft man es, manchmal nicht. Aber es erkannt zu haben und wieder zu probieren, ist schon ein guter Schritt.
    In diesem Sinne, liebe Grüße und viele gute Wünsche für ein angenehmes, entspanntes Wochenende für Dich!

  2. Liebe Annie,
    das war ein großer Schritt und ich freue mich, dass Deiner Bitte auch schnell entsprochen wurde und Deine Sorgen ernst genommen wurden!
    Mir fällt es normalerweise nicht schwer, um Hilfe zu bitten. Deshalb merke ich auch, dass sich das in einer depressiven Episode ändert. Dann fehlt mir die Energie dafür und ich lasse die Dinge laufen, auch wenn das dann nicht gut läuft. „Ist doch sowieso egal“ ist das Motto dieser Phasen. Wenn dann noch der Hemmschuh dazu kommt, dass man sowieso ungern um Hilfe bittet, weil man niemanden mit seinen Kleinigkeiten „belästigen“ will, macht es das Ganze noch viel schwerer.
    Eigentlich sollte es kein Problem sein, die Bedürfnisse auszusprechen. Denn selbst wenn man ein „nein, geht nicht“ hört, ist man nicht schlechter dran als vorher. Es kann nur besser werden, wenn man sich äußert, was man gerne hätte. Aber trotzdem ist es oft genug ein Kampf, und Du kannst stolz auf Dich sein, ihn aufzunehmen.
    Hab einen schönen Sonntag!
    LG Gabi

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