Zerbrochen

Mein Aufenthalt fühlt sich gerade einfach ungut an. In mir ist das Gefühl ‚allein gelassen‘ zu werden und als gestern eine bestimmte Grenze überschritten war, haben mich die Gefühle überrannt: Schmerz, Enttäuschung, Traurigkeit, Verzweiflung, Wut. Ich habe so viel geweint wie lange nicht. Und es ist gut, dass ich weinen konnte, auch wenn es sich noch schrecklicher anfühlt, als keine Gefühle zu haben. So existenziell.

Ich verliere in solchen Momenten den Blick für die ‚reale‘ Welt. Alles erscheint unabwendbar, alte Muster übernehmen und in mir schreit es nach Flucht. Flucht aus der Klinik, Flucht vor dem Gefühlschaos, Flucht aus dem Leben. Und gleichzeitig macht dieser Gedanke unendlich große Angst.

Der Zweifel flüstert mir ein, dass ich total übertreibe und mich nur dem ‚wahren‘ Leben nicht stellen möchte. Ob das auch von früher kommt? Die Angst vor dem harten, bösen Leben, das mich erwartet und dem ich nicht gewachsen bin.

Früher wurde gesagt ich sei zu nervös, zu aufbrausend, zu unangepasst, zu weich, etc. Heute spricht er mir Kompetenzen zu, die ich vielleicht sogar irgendwie besitze, aber denen ich mich überhaupt nicht gewachsen fühle. Ich möchte den Therapeuten hier nicht ‚beweisen‘, dass ich es drauf habe und mitreden kann. Ich möchte gesehen und wahrgenommen werden, in all meinen Facetten, in all meiner Not!

Ich fühle mich zerbrochen.

Kleiner Nachtrag: Mit ‚er‘ meine ich meinen Vater, nicht meine Therapeutin hier 😉

10 Gedanken zu “Zerbrochen”

  1. Wahrgenommen werden in all der ganz und gar besonderen Annie-Vielfalt und deiner einmaligen Seelenblütenschönheit!

  2. Auf den „Gefällt mir“-Knopf mag ich heute nicht drücken! Ich kann dich so gut verstehen. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du die Kraft hast, diese so schwere Zeit durchzustehen. Wenn du magst, fühle dich umarmt, ganz liebe Grüße
    Weena

  3. Tut mir so leid das zu lesen. Leider höre ich so was ähnliches in letzter Zeit öfter. Als wenn die Therapeuten versuchen uns mit Biegen und Brechen den Anforderungen unserer Gesellschaft anzupassen und vergessen den Menschen dahinter…
    Ich drücke Dir beide Daumen und wünsche Dir ganz viel Kraft um auch diese Situation zu überstehen und vielleicht doch etwas hilfreiches darauf mitzunehmen (Grenzen setzen?)…

    • Lieber Stefan,
      ich glaube ich habe mich in meinem Text etwas missverständlich ausgedrückt. Deshalb habe ich auch noch den Satz ergänzt, dass es sich hier um meinen Vater, nicht meine Therapeutin in der Klinik handelt, wenn ich über „er“ spreche. Meine Therapeutin hier hat sicher was drauf und sie zwingt mich auch zu nichts. Ich hatte nur eine sehr enttäuschende Erfahrung, die mich wütend gemacht hat und dann ging es abwärts in der negativen Spirale. Leider kann ich erst am Montag mit ihr darüber sprechen.
      Viele Grüße
      Annie

    • Danke, liebe Agnes. Die Zeit rennt mir davon. Reha ist ja immer sehr begrenzt und ich muss für mich schauen, wie es danach weitergehen kann. Ambulante Therapie, evtl. nochmal Akutklinik. Bin etwas überfragt.
      Viele Grüße von Annie

  4. Ich wünsch Dir die Kraft, diese Phase durchzustehen – halte durch! Vielleicht ist da auch die Chance, das was da aufgebrochen ist, abzuschließen, in etwas Gutes zu verwandeln und eine Entwicklung in Ganz zu setzen, die Dir langfristig was bringt. Fühl Dich mal gedrückt, ich denk an Dich und schick Dir gute Gedanken!
    LG Gabi

    • Liebe Gabi,
      danke für deine Worte! Ich muss jetzt schauen, wie ich gut für mich sorgen kann, was ich brauche, auch in naher Zukunft. Regelmäßige ambulante Therapie, evtl. nochmal Akutklinik und mich trauen weiter hinzuschauen auf all die schwierigen Themen. Gerade ist es nämlich deutlich einfacher dicht zu machen, mich zurückzuziehen und in den ‚Zuhause Modus zu verfallen‘.
      Ich drück dich zurück!
      Annie

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