Mir Gutes tun

Gerade bin ich vom Schwimmen hochgekommen und sitze jetzt mit einer Tasse Kakao auf dem Balkon meines Klinikzimmers. Um mich herum zwitschern die Vögel ihr Abendlied – so schön!

Das Wochenende war anstrengend – ohne Antrieb, ohne Lust. Gespräche wurden mir zu viel. Ich konnte nicht folgen, wollte auch nicht. Am liebsten hätte ich absolute Stille im Speisesaal gehabt. Zum Glück waren heute viele Mitpatienten mit ihrem Besuch unterwegs, so dass mein Tisch relativ leer war.

Trotz der Erschöpfung habe ich versucht, mir irgendwie etwas Gutes zu tun – Zeit für mich nehmen, ein Nickerchen machen, im Klinikpark spazieren gehen und Eis essen. Natürlich nicht ohne schlechtes Gewissen, weil irgendeine innere Stimme der Meinung ist, dass ich doch dies oder jenes tun müsse, damit alles korrekt abläuft.

Gestern Nachmittag war ich mit einer anderen Patientin in der ‚Stadt‘ zum Eis essen und abends habe ich mich auf eine Runde ‚Mensch ärgere dich nicht‘ eingelassen. Das hat sogar ein wenig Spaß gemacht!

Das tollste Erlebnis hatte ich heute Nachmittag als ich auf dem Balkon las. Ich hörte plötzlich ein Rascheln im Gebüsch und dachte zuerst an einen Vogel. Total neugierig schaute ich hin und was sah ich? Ein Hase! Aber fragt nicht, was für einen. So einen großen Hasen habe ich meinen Lebtag noch nicht gesehen. Ich war total irritiert. Er erinnerte mich tatsächlich an ein Baby Känguru. Ich saß glaub dämlich grinsend auf dem Balkon und beobachtete ihn. Er hoppelte über die Wiese, blieb hier und da stehen, knabberte an den Blümchen und hoppelte weiter.

Es fühlt sich gerade so an, als würde es ganz langsam wieder bergauf gehen!

3 Gedanken zu “Mir Gutes tun

  1. Er liest sich schön, Dein Eintrag, liebe Anni. Für mich auch sehr bewegend und auch ein bisschen aufwühlend, weil er mich an meine eigene Klinikzeit erinnert hat.

    Ich hätte gern so einen Balkon gehabt wie Du, aber ich hatte keinen und musste mir ein Zimmer mit jemandem teilen.

    Ich wünsche Dir viele so schöne Balkonmomente, mit zwitschernden Vögeln, mit Kakao und so überraschenden und Freude schenkenden Gästen wie dem Hasen heute. Und ich wünsche Dir, von Herzen, dass das Aufwartsgefühl immer mehr Gewissheit wird, dass es anhält, dass es Dir gut geht.

    Viele, ganz liebe Grüße an Dich!

    • Lieber Sternfluesterer,
      bitte nicht böse sein, aber ich komme aktuell nur selten zum Antworten, da mich gerade alles sehr fordert. Meine Woche war ein Auf und Ab. Ich muss mich gerade selbst aushalten und auf die Therapien konzentrieren. Mich weniger ins Netz flüchten. Aber heute ist ja Feiertag und daher bekommst du eine Nachricht 🙂

      Ich bin auch echt happy, dass ich so ein tolles Zimmer habe. Genügend Platz, schön ruhig und ein Balkon ins Grüne ohne Straße. Bis auf heute hat auch jeden Tag die Sonne geschienen. Da lässt es sich draußen aushalten. Hier in der Klinik gibt es nur Einzelzimmer. Bei Reha ist das ja meist Standard, aber selbst die Akutstation hat Einzelzimmer. Das finde ich mal richtig klasse! Wobei ein Doppelzimmer auch helfen kann, seine sozialen Ängste anzugehen. Ich persönlich brauche aber meinen Rückzugsort!

      Hab noch einen schönen Feiertag und evtl. ein verlängertes WE?!
      Annie

  2. Liebe Annie,

    ich bin Dir nicht böse. Ich kann Deine Situation sehr gut nachvollziehen. Ich kenne das alles: Zusammanbruch, Therapie, Klinik, weiter Therapie, Enttäuschungen, Rückschläge, weiter an sich arbeiten – Geduld, Hoffnung, Innehalten, Verzeifeln, Licht am Horizont sehen …

    Das fordert und erfordert, nicht zuletzt: Zeit für sich selbst.

    Mach Dir keine Gedanken – ich werde Dir Begleiter sein, und ich respektiere Deinen Weg, vor allem wie Du ihn gehen möchtest, so dass er Dir so viel Freude, Erfolg, Glück vermittelt, wie nur irgend möglich ist.

    Dankeschön für Deinen lieben feiertagsgruß.

    Ich schicke Dir Sonnenschein (hier oben im Nordosten hats noch welchen) und ganz viele liebe Grüße, die Dir Kraft und Zuversicht spenden wollen! 🙂

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