Aufklärung ist wichtig

Eigentlich bin ich nicht der Freund von online Challenges oder Awards, aber ich muss euch eine wundervolle Aktion zur Aufklärung über psychische Erkrankungen auf Instagram vorstellen. Lena von Freud mich. Eine Psychotherapeutin erzählt. hat unter #ichundmeinepsyche eine Challenge ins Leben gerufen, bei der jede Woche ein Thema rund um Depressionen & Co., Psychotherapie, Vorurteile, Missstände, etc. näher beleuchtet wird. Mittlerweile sind 3 von 5 Wochen vorüber und es sind bereits 760 Beiträge zusammengekommen.

In der ersten Woche drehte sich alles um die Zahl 17,8 Millionen; denn in Deutschland sind 17,8 Millionen Erwachsene von einer psychischen Krankheit betroffen. Das sind fast ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung unseres Landes! Von der Dunkelziffer einmal ganz abgesehen. Trotzdem ist das Wissen rund um Depressionen & Co. immer noch mit vielen falschen Vorstellungen verbunden. Daher ist es wichtig, dass wir Betroffene, unsere Angehörigen, aber auch Psychotherapeuten wie Lena erklären, was es wirklich heißt, an einer psychischen Krankheit zu leiden.


In der zweiten Woche ging es um die erschreckenden Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 2009 Menschen aus Deutschland. Ihnen wurde folgende Frage gestellt: Was glauben Sie, hilft gegen die Depression? (Deutschland-Barometer Depression 2017)
Was daran so erschreckend ist: 78% halten in den Urlaub fahren für eine geeignete Methode, eine Depression zu überwinden, 18% finden, man solle sich einfach mal zusammenreißen und weitere 18% ist der Ansicht, dass Schokolade ein perfektes Heilmittel sei.


Aktuell in der dritten Woche soll auf die Missstände in unserem Gesundheitssystem aufmerksam gemacht werden. Eine psychisch erkrankte Person muss durchschnittlich 19 Wochen warten, bis sie eine Psychotherapie beginnen kann – nicht Erstgespräch! Das sind fast 5 ganze Monate. Wir wissen alle, wie schwer es ist, sich überhaupt zu überwinden, einen Therapeuten anzurufen. Ich habe ca. 30 Therapeuten abtelefonieren müssen, um einen Termin für ein erstes Gespräch zu bekommen. Das ging dann aber zum Glück jedes Mal relativ zügig. Trotzdem habe auch ich viel zu oft gehört „unsere Warteliste ist voll, rufen Sie in einem Jahr nochmal an“ oder „ich nehme keine neuen Patienten mehr auf“. Ich kann gut verstehen, wenn der ein oder andere daraufhin aufgibt und versucht, die Krankheit mit sich selbst auszumachen. Im Notfall gibt es psychiatrische Kliniken, aber das ist doch auch nur ein kurzes Parken, denn in den meisten Akutpsychiatrien findet gar keine regelmäßige Psychotherapie statt. Selbst psychotherapeutische Akutkliniken haben teilweise Wartezeiten von bis zu einem Jahr. Wie soll ein depressiver Mensch diese Zeit alleine aushalten?


Ich bin schon gespannt, wie es nächste Woche weitergeht. Ihr seid alle herzlich eingeladen, an dieser Aktion teilzunehmen. Umso mehr Stimmen laut werden, umso eher werden sie gehört!

5 Gedanken zu „Aufklärung ist wichtig“

  1. Dank Deiner Tweets bin ich inzwischen auch auf diese Aktion gestoßen. Eine tolle Sache! Denn da gibt es immer noch viel Halbwissen oder Unverständnis.
    Mir hat mal eine unserer Chefinnen (eine von ganz weit oben) empfohlen, ich solle einfach nicht so viel darüber nachdenken, das würde sicher helfen. Als ich antwortete, dass genau das gedankenlose re-agieren und das Leben nicht selbst bestimmen mich in diese Schwierigkeiten gebracht hat, war sie dann beleidigt, dass ich ihren tollen Rat nicht dankbar angenommen habe. Wenn das so funktionieren würde, bräuchte man auch keine Therapeuten und freie Therapieplätze mehr, da schließt sich der Kreis wieder 🙁

    LG Gabi

    Antworten
    • Liebe Gabi,
      leider denken viele da draußen, sie hätten die ultimativen Tipps, weil sie es mal von irgendwo gehört haben. Solange man nicht selbst in der Situation war, ist es schwer überhaupt etwas zu raten. Umso wichtiger ist es doch, dass wir durch solche Aktionen aufklären! Es ist schön, dass du auch mitmachst.
      Annie

      Antworten

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