Die Mutmacher

Vor einiger Zeit habe ich auf Noras Facebookseite einen Beitrag über die #Mutmachleute entdeckt. Da ich ihr schon seit Beginn ihres Blogs folge, bin ich natürlich neugierig geworden, was wohl dahinter steckt. Also klickte ich mich auf die dazugehörige Website und war direkt begeistert. Da wollte ich unbedingt mitmachen!

Was sind denn nun die #Mutmachleute?

#Mutmachleute ist eine Plattform des Starks-Sture-Verlags und der Werbeagentur designmeetsmotion, auf der sowohl Betroffene als auch Angehörige und Fachleute über ihre Erfahrungen im Umgang mit psychischen Erkrankungen zu Wort kommen können. Allerdings soll der Blick nicht auf die negativen, krankheitsbezogenen Aspekte gerichtet sein, sondern die Stärken und Fähigkeiten des Erkrankten werden in den Vordergrund gestellt. Denn jeder von uns bringt durch die eigene Lebensgeschichte eine Menge an positiven Bewältigungsstrategien mit. Wir bestehen nicht nur aus unserer Krankheit; sie ist zwar (vorübergehend) ein Teil unseres Lebens, ABER sie bestimmt es nicht! An diesem Punkt möchte das Projekt mit dem Ziel der Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen ansetzen.

Psychisch krank zu sein heißt nicht, lebensunfähig, dauer-depressiv oder im ständigen Kampf mit den Symptomen zu sein. Das Mutmachprojekt will aufräumen mit den Vorurteilen.

[…]

Unser Projekt will beweisen, dass man Gesicht zeigen und Farbe bekennen kann und dabei die eigene Würde behält.

[…]

Um den Blick nach vorne richten zu können und sich intensiv den eigenen, individuellen Ressourcen und Stärken widmen zu können, sind positive, mutmachende Aspekte hilfreich.

Das Projekt der #Mutmachleute möchte aufklären und Berührungsängste gegenüber psychischen Krankheiten abbauen. Auch wenn in den letzten Jahren viel über Depression & Co. öffentlich berichtet wurde, weiß die Mehrheit unserer Gesellschaft immer noch nicht, was es tatsächlich bedeutet, eine psychische Erkrankung zu haben bzw. mit einem Menschen zu leben, der an einer psychischen Erkrankung leidet. Eine depressive Episode, zum Beispiel, ist mehr, als nur mal eben kurz traurig zu sein.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Empfinden. Trotzdem gibt es neben all diesen schwierigen Momenten auch viele kleine Situationen, die mir Kraft geben und mich besser fühlen lassen. Es gibt sogar Phasen, in denen ich einen ‚ganz normalen‘ Alltag bewältigen kann. Das gehört genauso zu meinem Leben mit Depressionen!

Ich möchte gerne zeigen, dass es nicht nur Schattenseiten gibt, sondern auch ganz viele kleine Lichtmomente. Das sind die Tage, an denen ich genügend Energie habe, zur Arbeit zu gehen und diese wirklich gut mache. Tage, an denen ich mich über Kleinigkeiten, wie eine Überraschungspostkarte freue, an denen ich Spaß habe, mich mit anderen Menschen zu treffen und, an denen ich auch mal aus vollem Herzen lachen kann.

Das Konzept des Projektes erinnert mich ein wenig an Trialoge*. Gerade in der Begegnung von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, liegt doch die Chance, ein Thema aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Jeder ist auf seine Weise der Experte – der Betroffene als Erfahrungsexperte seiner eigenen Lebenssituation, der Angehörige als Peerberater und die Fachperson als Experte der wissenschaftlichen Theorie. Mich persönlich freut total, dass sich auch immer mehr junge PsychotherapeutInnen in die online-Welt vorwagen. Durch das Lesen der unterschiedlichen Sichtweisen in den sozialen Netzwerken können wir viel voneinander lernen.

Die #Mutmachleute müssen wachsen! Dafür braucht es aktive Unterstützung. Mein eigener Beitrag ging vor kurzem online. Ich bin stolz, dass ich mich traue, mich offen zu zeigen und gleichzeitig habe ich eine unglaubliche Angst – Angst vor dem ‚entdeckt werden‘ mit all seinen Konsequenzen. Werde ich verurteilt oder für verrückt gehalten? Wenden sich die Menschen von mir ab? Was passiert, wenn es von der Familie gelesen wird?

Mein Wunsch ist es, dass in Zukunft keiner mehr von uns diese Ängste aushalten muss und, dass jeder offen zu seiner Krankheit stehen kann.

Mein Beitrag findet ihr unter diesem Link
http://mutmachleute.de/depression-ich-bin-eine-kaempferin-auf-der-suche-nach-loesungsmoeglichkeiten/

*Trialog – ein Zusammenkommen von psychiatrieerfahrenen Menschen, Angehörigen und psychiatrischen Fachpersonen zum gegenseitigen, gleichberechtigten Austausch

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