Gedankengänge einer Therapie

Sie will nicht mit mir arbeiten

Sie mag mich nicht mehr

Sie möchte mich loswerden

Sie nimmt mich nicht ernst

Sie versteht mich nicht

Ich fühle mich allein

Ich fühle mich verlassen

Ich fühle mich abgelehnt

Ich bin doof, weil ich nicht reden kann

Ich bin doof, weil ich die Zeit nicht nutze

Ich bin doof, weil ich den destruktiven Anteilen zu viel Macht verleihe

Ich bin durcheinander

Ich bin überfordert 

Ich will fliehen

Ich sollte mich nicht so anstellen

Mit absoluter Verzweiflung aus der Praxis gehen und weinen


Mir geht es soweit in Ordnung. Ich muss mich nur erstmal sortieren und keine Kurzschlusshandlungen, wie den Abbruch der Therapie, durchführen.

Es hat schließlich keiner gesagt, dass es immer einfach sein würde

Beitragsbild von Pixabay

8 Gedanken zu “Gedankengänge einer Therapie

  1. Das kenne ich. Mittlerweile gelingt es mir, meinem Therapeuten auch schon mal in der Stunde sowas zu sagen wie „Können Sie nicht einfach mal der nette Papa sein?“ Oder „Sie A****“. Das müssen die abkönnen.

    ___________

    Liebe Annie, mein Blog ist still gelegt. Zuviel Stress mit den Reaktionen aus dem familiären Umfeld.

    Lass es dir gut gehen, so mit dich selbst umarmen, vielleicht auch von jemand umarmen lassen… zur Not halt die doppelt und dreifache Bettdecke 🙂

    • Lieber Klaus,
      du wirst lachen, aber ich umarme regelmäßig mein Kuschelkissen und stelle mir die kleine Annie vor. Das gibt mir auf seltsame Weise ein wenig Trost! Ganz lieben Dank für deine Worte!

  2. Annie? Was hat dich dazu bewogen, dich so sehr zu bewerten? Was bewegt dich dazu, die Situationen so heftig auseinander zu nehmen? Ich wünsche dir, dass du mit etwas Abstand und Ruhe den Fokus etwas ändern kannst. Meist sind die Stunden, die so anstrengend sind und so viel bewegen, die wichtigsten Stunden – jetzt kommst du zu dir und kannst aus der verletzten Trotzhaltung lernen. Den Weg zu dir kennst du ja schon. Fühl dich gedrückt.

    • Hallo Markus,
      vielen Dank für deine lieben Worte! Mein System war gestern komplett durcheinander. Alle möglichen alten Ängste und Muster wurden angetriggert – eigentlich mag ich das Wort nicht, aber es beschreibt gerade am besten, was in mir vorging. Ich denke auch, dass diese Stunden etwas bewirken kann, wenn wir dranbleiben. Daher muss ich mich ‚einfach‘ meinen ganzen Ängsten stellen, anstatt sie jedes Mal wieder hinter einer hohen Mauer zu verstecken. Die Trotzhaltung kommt immer dann, wenn ich mich schützen mag. Ein aggressiver Anteil teilt dann sofort aus.
      Viele Grüße von Annie

  3. Gut, dass du die Therapie nicht abbrichst! Auch wenn’s unfassbar schwer ist, bleib dran. Du bist nicht doof, weil du nicht reden kannst. Da ist nur irgendwas in dir blockiert. Kenne ich. War bei mir zu Beginn der Therapie genauso. Meine Therapeutin und ich sind das so angegangen, dass ich zunächst aufgeschrieben habe, was ich sagen möchte (schreiben kannst du es ja offensichtlich sehr gut). Die Texte habe ich ihr dann geschickt, und wir haben vorsichtig darüber gesprochen. In einem weiteren Schritt habe ich ihr meine Gedanken vorgelesen, das hat schon ganz schön Überwindung gekostet. Aber es hat sich gelohnt. Und wie. Denn heute, nachdem ich knapp eineinhalb Jahre bei ihr bin, brauche ich den schriftlichen „Umweg“ nicht mehr. Ich kann fast alles aussprechen, auch wenn vieles noch immer Mut braucht.
    Vielleicht wäre das auch für dich eine Möglichkeit? Letztlich wird jeder Schritt Überwindung kosten, aber – und das ist absolut lieb gemeint – da musst du durch. Nur so kannst du erfahren, dass du aushältst, was auch immer passiert (das wird nichts Schlimmes sein, sich aber so anfühlen).
    Alles Liebe und viel Mut
    Elín

    • Danke für deine mutmachenden Worte, liebe Elín. Meine Therapeutin hat mir jetzt auch vorgeschlagen, dass ich schreiben könne. Es wäre natürlich besser es direkt anzusprechen, aber wenn es eben nicht klappt, soll ich schreiben. Daher versuche ich bis zur nächsten Sitzung meine Notizen in einen Brief zu verpacken. Es ist toll zu sehen, dass du mittlerweile diesen ‚Umweg‘ nicht mehr brauchst.

  4. Hallo Annie,
    ich bin heute erst über Deinen Blog „gestolpert“ und habe erst einen kleinen Teil davon gelesen, aber mir gefällt, wie Du schreibst. Und ich finde mich in vielen Dingen wieder (ich bin bipolar mit schweren rezidivierenden Depressionen). Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und dass Du einen Weg findest, Dich auch in der Therapie auszudrücken. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht immer leicht ist. Tagebuch führen hat mir da sehr geholfen, wobei ich zeitweilig quasi zwei hatte: ein persönliches und ein Therapie-Tagebuch, das auch meine Therapeutin lesen durfte. Ein schönes Wochenende, Evelyn

    • Liebe Evelyn,
      ganz vielen Dank für dein Kompliment. Ich habe ebenfalls einige Zeit Tagebuch geführt. Mittlerweile mache ich wieder viel zu viel nur in meinem Kopf aus. Ab und zu schreibe ich auf dem Blog – das könnte aber definitiv mehr sein. Dabei hilft mir Schreiben mich selbst noch besser zu reflektieren.
      Viele Grüße von Annie

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