Depression – let’s talk

Gestern, am 7. April 2017, fand der diesjährige Weltgesundheitstag der WHO (World Health Organization) unter dem Motto Depression – let’s talk statt. Und ja, es wird wieder einmal Zeit dieses Thema in den Mittelpunkt des Bewusstseins zu rücken. Kurzfristige Berichterstattungen, wie z. B. nach dem Suizid von Robert Enke, verschwimmen leider viel zu schnell hinter all den anderen Tragödien, die unsere Medien tagtäglich aufbereiten.

In Deutschland erkranken ca. 5,3 Millionen Menschen jährlich an einer depressiven Episode. Dabei ist es völlig egal, ob die Person aus der sozialen Unterschicht oder der High Society kommt. Diese Krankheit macht vor keinem Halt. Im Schnitt dauert eine depressive Episode um die 16 Wochen. Stellt euch vor ihr könntet 4 Monate nicht aus dem Bett aufstehen, euch nicht um eure Körperhygiene oder euren Haushalt kümmern, nicht zur Arbeit gehen, keine sozialen Kontakte pflegen, nicht essen, nicht schlafen und wärt permanent mit negativen Gedanken belastet. Und das sind nur ein paar Varianten der möglichen Symptome.

Depressiv sein bedeutet nicht, einfach nur einen schlechten Tag zu haben

Depressiv sein bedeutet in einem tiefen schwarzen Loch zu sitzen, unfähig sich zu bewegen, zu denken und am Leben teilzunehmen. Du wirst deine Existenz täglich in Frage stellen. Deine Motivation alltägliche Dinge zu verrichten ist verschwunden. Du bist körperlich und seelisch erschöpft – möchtest nur noch im Bett bleiben. Deine sozialen Kontakte entgleiten dir. Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Leere! Völlige Erstarrung!

Depressionen sind eine sehr ernste Erkrankung, die jährlich ihre Opfer fordert. Alle 4 Minuten versucht sich ein Mensch das Leben zu nehmen. Von den 10.000 Suiziden pro Jahr, hatten 50% vorher mindestens eine depressive Episode in ihrem Leben.

Depressionen können zum Tode führen

Daher ist es wichtig aufzuklären und Mut zu machen. Menschen, die unter einer Depression leiden, kann geholfen werden. Umso früher die richtige Diagnose gestellt wird, umso besser die Behandlungsmöglichkeiten – Psychotherapie, Antidepressiva, Selbsthilfegruppe, etc. Dadurch steigen die Chancen auf eine dauerhafte Genesung.

Hört den Menschen zu, wenn sie sich euch anvertrauen. Reicht ihnen eine Hand, vermittelt Hilfe und unterstützt sie so gut es euch möglich ist.

Die deutsche Depressionshilfe hat gemeinsam mit den Entwicklern der MyTherapy App (kostenlos für Android und iOS) eine Infografik zusammengestellt. Außerdem findet ihr bei mir unter der Rubrik Hilfe zur Selbsthilfe erste virtuelle und reale Anlaufmöglichkeiten.

Depression let's talk

8 Gedanken zu “Depression – let’s talk”

  1. Vielen Dank für den wertvollen, informationsreichen und faktenbasierten Beitrag! 🙂

    Lieben Gruß
    Jo

  2. Hallo Annie,
    ich kann da schlecht mitreden oder urteilen, da ich mich da nicht so hinein versetzen kann in solche Menschen die diese Krankheit haben. Es ist aber beängstigend, wie viele daran leiden und wie tragisch so mancher Ausgang dabei ist.
    Liebe Grüße und viele Gänseblümchen

    • Hallo Tanja,
      ich denke es ist wirklich schwer es sich annähernd vorzustellen, wenn man es nicht selbst einmal erlebt hat. Leider führt das ‚Nicht-Wissen’häufig zu Vorurteilen oder Annahmen, die gar nicht wahr sind. Daher ist es umso wichtiger aufzuklären und zu sensibilisieren. Morgen gibts wieder Gänseblümchen!!
      Annie

  3. Mh diese Infografik ist durchaus gut, aber vielleicht eher was für Menschen, die selbst keine Depression haben. Letztendlich ist es ohne therapeutische Hilfe sehr schwer, wieder rauszukommen. Alles was da unter „Selbsthilfe“ steht läuft für mich unter „Umgang mit Symptomen“ und nicht unter Behebung von Ursachen des Depressiv-Bleibens. Schade, dass in der Infografik nicht deutlich darauf hingewiesen wird, dass ein Therapeut benötigt wird. Stattdessen sind Psychopharmaka ein Thema – diese können helfen, bei vielen Menschen funktionieren sie aber nicht richtig.

    • Hallo H-J-P,
      die Infografik dient auch vorrangig erstmal nur für einen kleinen Einblick und zur Aufklärung. Ich sehe es genau wie du kritisch nur auf Medikamente zu setzen. Psychotherapie sollte an vorderster Stelle stehen. Es ist nur leider nicht so einfach einen guten Therapeuten in kurzer Zeit zu finden. Die Ursachen einer Depression kann man meiner Meinung nach gar nicht in eine Grafik bauen. Das ist so individuell, dass es jeder für sich in einer Therapie erarbeiten muss. Auf alle Fälle sollte genau hingehört werden, wenn sich Menschen anvertrauen – eine Depression nicht als ’schlechte Phase‘ abtun, sondern unterstützten.
      Viele Grüße von Annie

      • Ich glaube, was auch wichtig ist: Wenn die Menschen eine Depression besser erkennen könnten. Oder zumindest soweit wachsam sein könnten, dass sie merken „da ist was soweit nicht in Ordnung in der Seele, da muss womöglich der Profi ran“. Im Prinzip hat man das bei rein körperlichen Erkrankungen ja auch nicht im Blut sondern gelernt: Wo ist der Blinddarm und wenn der zu lange wehtut ist lieber mal Krankenhaus… etc.

        In meiner Stadt gibt es z.B. eine ziemlich gute psychologische Beratungsstelle, die auch kurzfristig Termine hat. Klar ist das keine Therapie, aber wenn in meinem Umfeld jemand anfängt, zu komisch zu ticken, dann schicke ich den auch mal dort hin.

        Leider ist es eben so, dass viele Menschen Hilfe erst bekommen, wenn es richtig fies geworden ist. Oft führt der Weg über die Psychiatrie, erst wenn man soweit „durchgedreht“ ist, dass man dort aufgenommen wird, sind Therapieplätze, Medikamente vom Psychiater (nicht Hausarzt) etc. möglich.

        Wenn Depression als Krankheit eingedämmt werden soll, dann muss sich unsere Welt ändern. Nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch wie wir miteinander umgehen. Für die Seele muss wieder vorgesorgt werden, durch Gemeinschaft (früher ging das auch über Religion/Kirche)… Das wird gar nicht so einfach.

        • Da stimme ich dir voll und ganz zu! Ich bin auch keine Freundin von „Medis“ vom Hausarzt, der von der ganzen Materie keine wirkliche Ahnung hat und im Glauben ist die Pillen retten alles schon. Lieber zu einer Beratungsstelle und sich über alles informieren. Dort erfährt man ja auch, ob eine Therapie überhaupt nötig ist plus zusätzliche Infos über die Suche. Manche Beratungsstellen bieten bei uns auch einzelne Therapieplätze an, aber das ist ein Glücksfall da reinzukommen.

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