Machs gut, Louis

Die Woche begann für mich mit unendlicher Sorge und Trauer.

Normalerweise meldet sich mein Mäusemann Louis spätestens gegen 16 Uhr mit auffälligem Gebuddel, um seinen Hunger zu demonstrieren. Doch ich bekam ihn letzten Sonntag bis zum frühen Abend nicht zu Gesicht. Mit etwas Sorge nahm ich sein Häuschen aus dem Gehege. Er sah gar nicht gut aus. Seine Öhrchen hingen, seine Äuglein waren halb zu und er torkelte auffällig beim Laufen. Mit Müh und Not bekam ich ihn dazu, ein paar seiner liebsten Leckereien zu essen und etwas Wasser zu trinken.

Am Montag bin ich direkt nach der Arbeit zu meiner Tierärztin. Leider fand sie nichts. Sie tippte zuerst, aufgrund seines Alters, auf Wassereinlagerungen in Herz oder Lunge, aber beim Abhören gab es keine Auffälligkeiten. Dann schaute sie sich seine Schleimhäute an, die auch völlig normal waren. Ratlos und mit zwei Medikamenten zog ich also wieder nach Hause.

Als ich dann am Dienstag nach Feierabend nach Hause kam, war mir mit einem Blick klar, dass mein kleiner Knopfaugenprinz diesen Tag nicht überleben wird. Er konnte sich kaum noch bewegen, seine Augen waren mittlerweile fast ganz geschlossen. Ich setzte mich vor sein Gehege und begleitete ihn die nächsten Stunden in den Tod. Es war für mich überhaupt nicht einfach ihn so zu sehen –  wie schwer es am Ende für ihn war sich zu bewegen. Also sprach ich ihm gut zu.

„Lass los kleiner Mann, du musst dich nicht weiter quälen. Im Mäusehimmel warten schon meine Mäusedamen auf dich. Da gibt es gaaaaaanz viele Mehlwürmer und Sonnenblumenkerne – so viel, wie du niemals in deinem ganzen Leben essen kannst.“

Louis war eine ganz besondere kleine Maus. Vor ca. anderthalb Jahren holte ich ihn aus dem Tierheim, weil meine kleine Lene ihre Partnerin durch einen Tumor verloren hatte. Louis war bereits kastriert, so dass ich einem Heimtier ein neues Zuhause inklusive einer netten Gesellschaft bieten konnte.

Leider verlief die Vergesellschaftung schwierig. Ich wusste von den Mitarbeitern des Tierheims, dass er zweimal zurückgebracht wurde, weil er sich angeblich nicht mit anderen Mäusen verstanden hat. Er muss wirklich eine schwierige Vergangenheit erlebt haben. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben.

Nach 3 Wochen am Trenngitter, wagte ich es, die beiden Süßen zusammen zu lassen. Es klappte ohne Streit – sie kuschelten, fraßen gemeinsam und bauten ihr Nestchen. Ich war erleichtert und freute mich gleichzeitig beiden eine Freude zu machen. Endlich würde Louis neue Erfahrungen sammeln, die ihm helfen könnten mehr Zutrauen zu bekommen.

Leider endete die Harmonie nach 3 Monaten. Louis fing an Lene zu jagen. Ich weiß nicht, was vorgefallen ist – ob es evtl. ein Missverständnis gab. Als die beiden aufeinander losgingen und sich bissen, trennte ich sie. Ein erneuter Versuch nach einigen Wochen scheiterte ebenfalls. Schweren Herzens setzte ich Louis in sein neues Gehege und besorgte für Lene eine kleine Partnerin.

Trotzdem hatte es der kleine Mann bei mir wirklich gut. Er buddelte, rannte im Laufrad und kletterte auf mir herum, wenn ich ihm die Möglichkeit gab aus dem Terrarium auf meinen Arm zu springen. Selbst wenn er mir manchmal den letzten Nerv mit seiner Buddelei an der Glastür raubte, hatte ich ihn so unwahrscheinlich lieb. Es bricht mir das Herz, dass er nicht mehr da ist.

Auch wenn es keinen Unterschied macht zu wissen, woran er gestorben ist, grübele ich darüber nach, ob ich irgendetwas falsch gemacht habe. Vielleicht habe ich die neue Flasche nicht gründlich genug ausgespült oder er hat einen Faden meines Pullovers aus Versehen verschluckt und sich den Magen abgeschnürt?! Es ist schwierig diese Gedanken loszulassen.

Louis ist ungefähr 3 Jahre alt geworden!

Komm gut drüben an, mein kleiner Knopfaugenprinz! 

5 Gedanken zu “Machs gut, Louis

  1. Fühl dich gedrückt!
    Auch wenn es schwer fällt zu akzeptieren: dich trifft keine Schuld. Er hatte es sehr gut bei ihm und du hast alles dafür getan, dass er in der Zeit bei dir ein super Mäuseleben haben konnte <3
    Nun rennt er auf den Mäusewolken herum und frisst so viele Mehlwürmer, bis er Bauchweh hat!
    Ganz liebe Grüße,
    Frauke (die selbst schon einige Tiere hat sterben sehen und deshalb weiß, wie schwer so ein Sterbeprozess ist…)

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