Körpersignale

Freitag – tief durchatmen – endlich Wochenende!

… und gerade jetzt scheine ich eine Erkältung auszubrüten. Als hätte mir mein Körper in den letzten 3 Wochen nicht genügend Steine in den Weg gelegt. Obwohl, das ist vielleicht die falsche Betrachtungsweise, denn jedes meiner Wehwehchen hatte sicherlich auch irgendeinen Sinn.

Seit geraumer Zeit leide ich vermehrt unter Kopfschmerzen. Vor ungefähr 2 Jahren hatte mich meine Psychiaterin schon einmal zur Computertomographie geschickt, aber bis auf ein paar verkalkte Areale in meinem ’smarten‘ Hirn, was wohl nicht weiter schlimm ist, wurde nichts gefunden. Die Schmerzen tauchen mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf – da sind sie sehr zuverlässig. Dafür wirken meine Schmerztabletten rein willkürlich.

Nach meinem ersten Arbeitstag waren sie länger verschwunden, als ich es von ihnen gewohnt bin. Vor ca. 3 Wochen kamen sie jedoch mit aller Macht zurück – zu früh gefreut! Ich hatte bzw. habe viel Stress auf der Arbeit. Meine Kollegin war seitdem ich im Unternehmen bin mindestens 50% der Zeit erkrankt, so dass ich vieles alleine stemmen musste. Da ich ungern etwas liegen lasse und mein Perfektionismus sich nicht immer bändigen lässt, habe ich an manchen Stellen mehr Energie verbraucht, als ich überhaupt besitze. Ich nahm mir also einen Tag zum Regenerieren frei.

Dadurch hatte ich an den folgenden Tagen natürlich noch mehr abzuarbeiten. Ich sehnte mir das Wochenende regelrecht herbei – endlich Zeit zum Ausruhen!
Sonntag Abend, kurz vor dem Beginn einer neuen Arbeitswoche, zeigte mir mein Körper allerdings erneut mit wehenden Fahnen, dass ich langsam machen soll muss. Keine Ahnung, ob ich mich beim ausgiebigen Putzen meines Wohnzimmers verrenkt habe oder mir mein Rücken einfach sagen wollte „Ich schaffe es nicht mehr, diese Last alleine zu tragen!“

Laufen und Stehen ging nur noch unter Schmerzen, weil sich meine Muskulatur jedes Mal verkrampfte. Dadurch verbrachte ich die meiste Zeit mit Wärmflasche auf dem Sofa. Die ersten beiden Tage der Woche war ich mir sicher, dass die Schmerzen schnell vergehen werden. Leider war das nicht der Fall. Meine Hausärztin hat letztendlich die Reißleine gezogen und mich eine ganze Woche aus dem Arbeitsleben gezogen.

Meine Emotionen schwankten zwischen Erleichterung, weil ich nun die Möglichkeit hatte, leere Batterien aufzuladen, Gewissensbissen bzw. Schuldgefühlen, weil dadurch sehr viel Arbeit liegen bleiben würde und Bedenken bzw. Sorgen, ob ich die Probezeit trotzt AU überstehe. Dabei war mein Projektleiter bisher sehr verständnisvoll.

Jedes Zwicken und Meckern meines Körpers ist ein Signal mich ernst zu nehmen – näher hinzuschauen. Wo beginnen die ersten Anzeichen? Ab welchem Zeitpunkt überschreite ich meine Grenzen? 

Es ist unmöglich, den Berg alleine abzutragen – das weiß ich, das wissen meine Kollegen und das weiß mein Chef. Trotzdem gibt es unterschwellige Erwartungen – von mir, von meinen Kollegen und vom Chef. Wie löse ich dieses Dilemma bloß richtig?

Ich bin unglaublich stolz, bisher so erwachsen mit meiner Situation umgegangen zu sein. Seit fast 2 Monaten stelle ich mich der Arbeitswelt, stehe jeden Morgen um 6 Uhr auf, erledige meine Arbeit gewissenhaft und bin sogar hin und wieder zufrieden mit mir. Selbst mein Projektleiter hat mich schon einige Male gelobt.

Übrigens, an manchen Tagen spreche ich mir selbst Mut zu

„Ich darf müde/grummelig sein. Ich darf langsam arbeiten. Ich darf Arbeit liegen lassen. Ich darf delegieren. Ich darf unwichtige Anliegen von Teilnehmern auf andere Tage verschieben. Ich darf mich strecken und tief durchatmen. Ich darf meine halbe Stunde Pause außer Haus verbringen.“

Welche körperlichen Signale kennt ihr? Bemerkt ihr sie früh genug? Wie geht ihr mit stressigen Situationen auf der Arbeit um? Schafft ihr es Prioritäten zu setzen?

Beitragsbild von Pixabay

12 Gedanken zu “Körpersignale”

    • Hallo Tempest,
      das ist auch echt fies. Früher schlug mir schnell mal etwas auf den Magen. Mein Vater sagte immer das sei in unserer Familie „normal“. Mein Opa hatte es, er hatte es und ich dann natürlich auch. Reizdarm stelle ich mir genauso scheiße vor. Zum Glück ist mir das bisher noch nie passiert. Ich kenne das Gefühl von totaler Erschöpfung. Meinst du das mit „krank sein“?
      Grüße von Annie

  1. Ich habe alle Signale ignoriert ! Müdigkeit, Gewichtsverlust, Nackenschmerzen, Muskelschmerzen!
    Fazit : Blithochdruck und Schlaganfall mit Mitte 40

    • Liebe Susanne,
      das klingt ziemlich furchtbar! Hast du denn die Signale nur gehört oder auch etwas dagegen unternommen? Das ist ja genauso wichtig. Daran arbeite ich nämlich noch, weil ich bisher nicht genau weiß, was ich tun kann. Hast du dich von deinem Schlaganfall wieder erholen können? Dieses Schicksal wünsche ich keinem Menschen.
      Alles Liebe von Annie

  2. Hallo Annie,

    ich finde es bewundernswert, dasses dir immer besser gelingt, auf dich zu achten!
    Typische Zeichen von zu viel Stress sind bei mir vermehrte Migräneattacken, Nackenschmerzen und Magenprobleme. Meist merke ich aber auch erst recht spät, was da vor sich geht.

    • Hallo Nelia
      ich versuche zumindest auf mich zu achten. Nicht immer einfach, wie du selbst aus eigener Erfahrung weißt! Hast du richtig schlimme Migräne, die dich ans Bett fesselt? Meine Kopfschmerzen kann ich nicht recht zuordnen. Migräne stelle ich mir jedoch schlimmer vor. Unser Körper ist schon ein schlaues Ding – zeigt uns ja eigentlich, worauf es ankommt!
      Schönen Sonntag zu Hause für dich!

  3. Hi,
    ich hab seit Ende der Grundschulzeit Migräne, liegt bei uns in der Familie. Früher lag ich währenddessen immer länger flach, oft mit Übelkeit und Schwindel, mit dem Alter ist es dann besser geworden und ich kann das Flachliegen auf kurze Zeit begrenzen, wenn ich rechtzeitig interveniere.

  4. Liebe Annie,
    den Rücken als Warnsignal kenne ich auch nur zu gut. Außerdem auch die Kopfschmerzen, Nackenverspannungen und eine ständiger Muskelkrampf in der rechten Wade. Wenn dann noch Bauchweh dazu kommt, dann ist höchste Eisenbahn für mich runter zu fahren.
    Mir hilft Yoga dann sehr bewusst zu atmen und mehr im hier und jetzt zu sein.
    Liebe Grüße, Frauke

    • Die Zeichen zu kennen ist enorm von Vorteil. Wenn mich die Kopfschmerzen erwischen, hilft fast nichts mehr. Diese Woche hatte ich so einen Tag – ausgerechnet als meine neue Kollegin zum ersten Mal im Büro war. Zum Glück sind alle recht verständnisvoll.

  5. Ich bin ein talentierter Psychosomatiker. Anspannung bestimmter Muskeln im Hals (bis hin zu Heiserkeit als Resultat), verschiedenartige Verspannungen im Rücken- und Brustbereich, Magenschmerzen, Herzrhythmusstörungen. Und dann die, die ich jetzt vergessen habe. Letztendlich ist der Zusammenhang immer deutlich: Wenn ich wenig Zugang zu meinen Gefühlen habe, drücken sie sich auf diese Art aus. Ich versuche dann, mich zu schonen. Das ist aber gar nicht so einfach, weil ich ja nicht genau fühle, wo es wirklich klemmt. Es ist mir lieber, das volle innere Leben zu spüren – wenn’s gerade so sein muss, auch mit Tränen und allem „Scheiß“. Und natürlich auch der Freude, die dann möglich ist.

    • Lieber H-J-P,
      mir ist ein emotionaler Ausbruch mit Heulen auch wesentlich lieber als die ganzen körperlichen Schmerzen ertragen zu müssen. Wie machen sich Herzrhythmusstörungen denn bei dir bemerkbar? Die hatte ich nämlich bisher zum Glück noch nicht.
      Hab ein tolles Wochenende!

      • Ich hab dann halt Aussetzer. Also das Herz macht einen Schlag, der ganz schwach ist, und danach einen ziemlich heftigen, quasi zum „nachholen“. Das hatte ich schon vor meiner Depression, aber die Psychosomatik scheint alle Wege gerne zu gehen, die sie sich mal angewöhnt hat. Das tritt vor allem in Entspannungsphasen auf, unter körperlicher Belastung nie. Manchmal ist das ganz schön unheimlich. Aber nicht direkt gefährlich. Ich hab das natürlich mit einem Kardiologen abgecheckt, das sollte man auf jeden Fall machen, wenn man sowas bei sich feststellt. Aber das kommt gar nicht so selten vor. Nur als feinfühliger bis hochsensibler Mensch spüre ich oft meinen eigenen Herzschlag, das tun die meisten Menschen ja meist nicht, und so fällt es mir direkt auf.

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