Hello again, depression

Ehrlich gesagt weiß ich überhaupt nicht, was gerade mit mir los ist. Mir fehlen sogar die Worte, mein Kopfgewusel niederzuschreiben. Tippen und löschen, tippen und löschen, tippen und … lächeln 😀

Meine Fresse, wie anstrengend ist es, immer diese scheiß-mega-freundlich-alles-ist-toll-Maske aufzuhaben.

Versuchen wir es doch mal mit einer objektiven Betrachtungsweise.
Körperlicher Zustand: Angeschlagen
Seitdem ich letzten Dienstag meine leckere, frisch gekochte Linsensuppe mit Geflügelwürstchen eine Stunde nach dem Verzehr wieder an meine Toilette abgegeben habe, spinnt meine Verdauung. Leider konnte meine Ärztin weder etwas hören, noch ertasten. Psychosomatisch?

Dazu kommt eine allumfassende Müdigkeit, die keinerlei Grenzen zu kennen scheint. Egal wie viel ich schlafe, es geht immer noch mehr. Bald verschlafe ich mehr Zeit als ich wach bin.

Mein Zyklus hat sich ja bereits seit Monaten selbstständig gemacht. Zusätzlich tauchen immer häufiger Kopfschmerzen auf, die sich anfühlen, als würde mir jemand das Gehirn in zwei Teile reißen wollen. Macht Naproxen eigentlich abhängig?

Nachtrag: Eins der quälendsten Symptome habe ich ganz vergessen. Kurz vor dem Einschlafen, in der Übergangsphase zwischen Wachzustand und Schlaf, schrecke ich voller Panik hoch, weil es sich anfühlt als würde ich das Atmen vergessen.

Psychischer Zustand: Am Rande des Abgrunds
Ich bin aktuell leicht reizbar, reagiere sarkastisch und fahre auch schon einmal Leute blöd von der Seite an, wenn sie mir, meiner Meinung nach, auf den Keks gehen. Mir ist jegliches Taktgefühl flöten gegangen, so dass ich Aussagen treffe, die sogar Freunde verletzen können. Das ist wirklich das Letzte, was ich möchte!

In mir drin ist Erschöpfung, absolute Erschöpfung und – Achtung, festhalten – anscheinend auch eine enorme Energie, die mich so verhalten lässt, wie ich es gerade tu.

Beeinflusst gerade mein Körper die Psyche oder meine Psyche den Körper??

Ich dachte die Frauenakademie wäre etwas Gutes für mich. Mittlerweile hadere ich sogar, weiter daran teilzunehmen. Was bringt es mir, eine tägliche Struktur aufzubauen, die mich dermaßen durcheinander bringt, so dass ich im Endeffekt noch weniger Struktur habe? Ich komme nach Hause, ich schlafe, ich gucke Serien oder Videos, ich schlafe. Haushalt bleibt liegen, schöne Dinge bleiben liegen.

Ich kann an einer Hand abzählen, was ich in den 4 Wochen, in denen ich bereits daran teilnehme, wirklich interessant fand. Ganz ehrlich gesagt: Das ist nicht gerade viel! Jeden Morgen kämpfe ich gegen enorme Widerstände, überhaupt noch aufzustehen. Bisher war ich zuverlässig und pflichtbewusst, obwohl ich die meiste Zeit der täglichen vier Stunden gelangweilt bin. Führt mich gerade diese Struktur der Unstrukturiertheit in eine neue Depression?

Heute fragte ich meine betreuende Sozialarbeiterin, für was ich eigentlich noch dort bin? Darauf kam folgende Antwort: „Damit wir Ihnen helfen in Arbeit zu kommen!“ 
[Hier bitte einen Lachanfall Marke ‚Bauchmuskelkater mit Tränen‘ einfügen]

Selbige fragte mich noch vor ein paar Tagen „Wieso würden Sie Ihre Gesundheit gegen finanzielle Sicherheit eintauschen? Hören Sie mehr auf ihr Bauchgefühl!“

Mehr Worte habe ich gerade nicht – dafür noch so unendlich viele Gedanken…

Beitragsbild von Pixabay

9 Gedanken zu “Hello again, depression”

  1. Ich wünsche dir genügend Energie auf dein Bauchgefühl zu hören und den für dich richtigen Weg zu finden! Das ist schwer, aber irgendwie wird er sich dir irgendwann zeigen. Fühl dich gedrückt und pass auf dich auf!

    • Liebe Frauke,
      ich habe mich sehr über deinen Eintrag und deine virtuelle Umarmung gefreut. Und ja, ich habe auf mein Bauchgefühl gehört und mir Freitag einfach mal frei genommen. Darüber mehr in meinem Gänseblümchen dieser Woche!
      Annie

  2. Liebe Annie,
    ich wünschte, ich hätte passende Worte. Ich kenne das gut, dieser verdacht bzw. die Befürchtung, die Depression könnte wieder da sein und welches Gefühls- und Kopfkino dann tobt. Alle Sprüche klingen da so abgedroschen. Ich versuche es mit „Ich denke an dich“ und sei gut zu dir, gerade jetzt ♥

    • Danke liebe Nelia, manchmal braucht es nicht viele Worte, sondern es hilft mir schon, wenn jemand an mich denkt! Es wird auch langsam wieder besser – ich habe es erneut alleine geschafft 🙂
      Komm gut in die neue Woche!

    • Lieber Marc,
      ja du hast Recht – und mittlerweile ist der Dauerregen auch weitergezogen. Zum Glück! Wenn ich nur im Regen auch an die Sonne glauben könnte, dann wäre es nicht jedes Mal wieder so enorm anstrengend.
      Herzliche Grüße von Annie

  3. Vielleicht kann Dir diese „enorme Energie“ auch ein kleiner Trost sein. Sie ist da! Du kannst vielleicht im Moment nichts produktives damit anstellen, aber sie ist da. Und es ist Deine Energie.

    Viele Dinge, die „die Gesellschaft™“ als normal ansieht und daher auch irgendwo durch Normierung vom Einzelnen verlangt, sind nicht gerade gesund. Für die meisten Leute ist es wohl irgendwie zu ertragen. Wenn man aber seelisch angeschlagen ist, dann ist es oft unerträglich. Leider bleibt dann nur die innere Revolution. „Alles richtig machen“ heißt eben oft, nicht gut zu sich selbst zu sein, und damit eigentlich „alles falsch machen“.

    Viele Leute machen es so lange, bis es nicht mehr geht. Und dann wieder. Ob die Depression oder der Herzinfarkt kommt, das ist dann von der Veranlagung abhängig.

  4. Ein Nachtrag: Es gibt bei vielen Menschen die Tendenz, andere so zu behandeln wie sich selbst. Das macht es dann im Berufsumfeld besonders schwierig: Wenn Vorgesetzte zu sich selber scheiße sind, sind sie es auch zu ihren Mitarbeitern und erwarten von diesen, dass sie zu sich selber fies sind.

    Als wäre es nicht schon schwierig genug, gut zu sich zu sein, wenn es einen erst Mal erwischt hat. Ich selbst habe noch viel zu üben und habe beschlossen, meine Ansprüche runterzuschrauben: Ich versuche erst mal, nicht fies zu mir selber zu sein. Das ist schon genug Herausforderung.

    • Lieber H-J-P,
      ich finde es gut, dass du versuchst nicht fies zu dir zu sein. Wieso sollten wir auch noch gemein zu uns sein, wenn es von außen schon geschieht? Trotzdem gar nicht so einfach. Ich weiß nicht so recht, wie ich die Energie in bessere Bahnen umlenken kann. Gerade in emotional schwierigen Zeiten verselbstständigt sich in meiner inneren Welt einiges.
      Hey, hast du dir „die Gesellschaft“ patentieren lassen? Damit könntest du ganz schön Kohle scheffeln 😉
      Hab einen sonnigen Sonntag!
      Annie

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: