Filmtipp: Das Talent des Genesis Potini

Ich durfte vorab den Film „Das Talent des Genesis Potini“ schauen und darf euch darüber auf meinem Blog berichten. Da ich weder Reporterin noch eine ausgewiesene Filmkritikerin bin, lasse ich euch an meinem ganz persönlichen Eindruck dieses wunderbaren Films teilhaben.

Mir war nicht klar worauf ich mich einlasse und die ersten 20 Minuten des Films haben mich auch nicht direkt gepackt. Es sei an dieser Stelle schon erwähnt, dass es sich gelohnt hat bis zum Ende zu schauen. Die Handlung basiert auf einer wahren Begebenheit im Leben des genialen Genesis Potini (1963-2011).

Direkt in der ersten Szene lernen wir den manisch-depressiven Maori Genesis Potini kennen. Vertieft in Selbstgespräche läuft er klitschnass durch den Regen bis er einen Laden entdeckt, in dem ein Schachbrett ausgestellt ist. Er ergreift die Chance und beginnt vor sich hin brabbelnd ein Spiel bis seine Betreuerin ihn mit Hilfe der Polizei gegen seinen Willen zurück in die Psychiatrie bringt.

Dank seines Bruders Ariki darf er mit einer Ladung Medikamente und den Worten „Denken Sie positiv!“ die Klinik verlassen. Ob dies wirklich eine gute Idee ist, bleibt jedoch fraglich, denn sein Bruder gehört einer Gruppe Rocker an, die vor keinerlei Gewalt zurückschreckt. Im Hause seines Bruder trifft er auf seinen 14-jährigen Neffen Mana, der ihn anscheinend vorher noch nie gesehen hat und auch nichts von seiner Erkrankung weiß.

Als er eines Tages mit Mana Bier für die Rockerkumpanen seines Bruders einkaufen soll, entdeckt er einen Aushang für einen Kinderschachclub, der zufällig sogar von einem ehemaligen Freund geleitet wird. Schach ist Genesis Leben, seine Stabilität – er war sogar einmal Schachmeister. Deshalb steht sein Entschluss fest dort unbedingt mitzumachen.

Getrieben durch seinen Enthusiasmus sucht er mitten in der Nacht seinen ehemaligen Freund auf und überzeugt ihn an dem Schachclub teilnehmen zu müssen. Dabei erfährt er auch, worum es sich bei diesem Club handelt. Sozial benachteiligten Kindern aus schwierigen Verhältnissen soll das Schach spielen beigebracht werden, damit sie nicht auf die ’schiefe Bahn‘ geraten. Das schreckt Genesis allerdings nicht im geringsten ab. Beim ersten Aufeinandertreffen ist er sogar so euphorisch, dass er die wahnwitzige Idee ausspricht mit den Kindern in 6 Wochen zur regionalen Meisterschaft zu fahren.

Ab diesem Zeitpunkt fand ich es erstaunlich wie geschickt es Genesis gelingt die Kinder in seinen Bann zu ziehen und ihnen das Schach spielen näher zu bringen. Als eine Person, die sein eigenes Leben schon kaum geregelt bekommt, entwickelt er ein gemeinsames Ziel und vermittelt Zusammengehörigkeit und Hoffnung.

Selbst sein Neffe Mana, der unter der Obhut einer wilden Horde Rocker aufgewachsen ist, bewundert ihn. Sein Vater Ariki hat jedoch schon einen anderen Lebensweg für ihn vorgesehen. Er soll an seinem kommenden Geburtstag in die Gemeinde der Rocker aufgenommen werden. Damit Genesis keinen weiteren Einfluss auf Mana ausüben kann, wirft ihn Ariki kurzer Hand aus der Wohnung.

Trotz aller Verbote sucht Mana Genesis immer wieder auf, schläft sogar mit ihm unter freiem Himmel, möchte seine Lebensgeschichte erfahren und Schach lernen. Genesis fühlt sich mit der Zeit zunehmend für seinen Neffen verantwortlich, aber was soll er – der Verrückte – schon tun? Welches Leben kann er ihm bieten?

Als Genesis eines Tages versucht seinen Bruder davon zu überzeugen, dass Mana mit zur Jugendschachmeisterschaft fahren soll, wird Ariki wütend. Er wirft ihm all das vor die Füße, was jahrzehntelang in ihm brodelte. Während Genesis schon in früher Kindheit einfach ‚krank‘ wurde, musste er, der große Bruder, immer wieder Verantwortung übernehmen.

Emotional komplett überfordert durch den Streit mit Ariki, erfährt Genesis kurze Zeit später, dass ein Kind wegen ihm nicht mehr zum Schachclub kommen darf. Die Mutter des Kindes beobachtete wie er unter freiem Himmel schläft. Sie möchte nicht, dass ihr Kind weiter mit einem obdachlosen ‚Verrückten‘ in einem Raum sitzt. Da sind sie – die typischen Vorurteile ohne die Hintergrundgeschichte eines Menschen zu kennen.

Ob die Kinder Erfolge bei der Meisterschaft haben werden, wie es mit Manas‘ Leben weitergeht und wohin es Genesis noch treibt, könnt ihr ab dem 16. Juni 2016 im Kino sehen.

Mir hat der Film gefallen, weil er mich daran erinnerte, dass ich selbst als Mensch mit einer Depression bzw. einer psychischen Erkrankung Fähigkeiten habe, die mich stärker machen können. In Genesis Fall war es das Schach spielen – bei mir ist es das Schreiben und Malen. Was ist es bei dir?

Der Film zeigt recht deutlich, dass es selbst unter den schrecklichsten Bedingungen möglich ist Vertrauen in sich aufzubauen. Egal woher du kommst und was du erlebt hast, es gibt immer Hoffnung – du kannst es schaffen dein Leben in die Hand zu nehmen.

Wir sind nicht nur unsere Depression – wir sind viel mehr!!

 

2 Gedanken zu “Filmtipp: Das Talent des Genesis Potini

    • Liebe Karin,
      es ist schön, dass du noch über den Tipp gestolpert bist. Ich bin gespannt, wie anderen den Film finden und was sie für sich mitnehmen.
      Schöne Grüße von Annie

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