Kunterbunter Abschied mit einer Prise Traurigkeit

Diese Woche war es soweit: Meine vorerst letzte Sitzung bei meiner Therapeutin. Da ich vor zwei Wochen im Scherz zu ihr sagte, dass ich sie gerne in ihrer Praxis gefangen halten würde bis ihre Elternzeit vorbei ist, durfte ich dieses Mal sogar die doppelte Zeit nutzen. Es war ein unheimlich gutes Gefühl, ohne Zeitdruck in die Praxis gehen zu können. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber 50 Minuten sind jedes Mal viel zu schnell vorüber – meistens genau dann, wenn ich gerade noch ein wichtiges Thema anreiße.

Natürlich war es mir ein Anliegen, über die Zeit ohne ihre therapeutische Hilfe zu sprechen. Es besteht schließlich immer die Gefahr, in eine depressive Phase zu rutschen, denn bisher fällt es mir noch unheimlich schwer, die frühen Warnsignale zu erkennen und ihnen entgegen zu wirken. Daher war es mir wichtig, über meine Möglichkeiten zu sprechen sollte es soweit kommen. Irgendwie gewöhne ich mich doch immer wieder an die Regelmäßigkeit von Therapiesitzungen, so dass es mir fast unmöglich erscheint ohne DIESE einzigartige Person klarzukommen.

Wohin kann ich mich also in den nächsten Monaten wenden, falls ich meiner Depression nichts entgegenzusetzen habe?

Neben meiner Psychotherapeutin behandelt mich noch eine Psychiaterin, die sich vorrangig um meine Medikation kümmert. Sie ist nicht gerade (m)eine Vertrauensperson, aber im absoluten Notfall sicherlich eine Anlaufstelle. Allerdings müsste es mir schon wirklich sehr schlecht gehen, damit ich mich auf weitere Medikamente oder die Akutpsychiatrie einlassen würde.

Dann gibt es noch die Möglichkeit, Kontakt zur psychologischen Frauenberatung aufzunehmen, bei der ich vor der Suche nach einem Therapieplatz schon einmal gewesen bin. Die Beratungsstelle kann zwar keine Psychotherapie leisten, aber für vorübergehende Beratungsgespräche wäre ich dankbar.

Meine Selbsthilfegruppe – so jung sie auch noch ist – gibt mir die Sicherheit, zu wissen, dass ich jede Woche einen festen Termin habe, zu dem ich mit all meinen ‚Macken‘ willkommen bin. Selbst wenn dort kein ausgebildeter Psychotherapeut dabei ist, ist die Gruppe eine Chance, mir über das ein oder andere Tief hinwegzuhelfen. Ich muss mich nur trauen, mich zu öffnen.

So ganz alleine und hilflos bin ich gar nicht! Im Gegenteil, ich bin in der Lage, Hilfe zu organisieren und zu bekommen. Sei es aus mir selbst heraus durch die Lenkung meiner Gedanken auf das ‚eigentliche‘ Ziel oder von außen, in dem ich um Hilfe bitte.

Und auch wenn sich gerade alles in mir sträubt diesen Satz zu schreiben: Ich heiße die nächsten 7 therapielosen Monate mit all seinen Herausforderungen, mancher dunkler Phase, mit neuen Erfolgen und Gänseblümchen ganz herzlich in meinem Leben willkommen!

Wie geht ihr mit Abschied in der Therapie um? Habt ihr Strategien für die dunklen Phasen? Wo holt ihr euch Hilfe außerhalb der Therapie?

Beitragsbild von Pixabay

7 Gedanken zu “Kunterbunter Abschied mit einer Prise Traurigkeit”

  1. Ich wünsche Dir in den nächsten Monaten viel Kraft und jede Menge positive Gedanken. Immer wenn sich eine Tür schließt, geht die nächste auf. Wobei ich mir sicher bin, dass so manche Tür nur angelehnt ist.
    Vielleicht wirst du ja noch stärker durch diese *Therapiepause*

    Leider kann ich dir keine Tipps zu -Abschied in der Therapie- geben, denn ich habe noch keine begonnen und suche zwanghaft einen Platz.
    Deswegen habe ich zu schreiben begonnen. Meinen Blog eröffnet. Rede wann immer es geht mit Betroffenen darüber, denn nur sie verstehen mich zu 100 % .
    Meinem Umfeld mag ich nicht mehr auf die Nerven gehen.

    Ich versuche einfach stark zu sein und wenn mich eine Phase überkommt, dann nehm ich sie hin. Ich zwing mich nicht dazu, trotz eines Schubes mich aufzuraffen – was ich dann so oder so nicht kann –
    Ich hole mir die Kraft aus den guten Tagen. Am Ende jeden Tages suche ich mir immer etwas positives aus dem jeweiligen Tag heraus und schreibe es auf.

    Zu gerne wäre ich in einer Therapie um richtig an mir arbeiten zu können. Einen Menschen zu haben, der mich lenkt, mir zuhört und mich versteht.

    Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute !

    Lächelnde Grüße
    Melle von Seelentief

    • Liebe Melle,
      ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich mag dir gerne ganz viel Durchhaltevermögen auf deinen Weg mitgeben, denn es ist wahrlich nicht einfach einen passenden Therapeuten zu finden – geschweige denn zeitnah. Es gibt die Möglichkeit bei Nachweis von genügend Absagen einen Therapeuten über Kostenerstattung zu suchen. Das sind die Therapeuten, die eigentlich nur über private KK abrechnen. Erkundige dich dazu unbedingt auch mal bei deiner Krankenkasse. Ich finde es übrigens super, dass du dir deinen eigenen Weg suchst um mit der Erkrankung klarzukommen! Solange es dir hilft, ist alles erlaubt.
      Grüße von Annie

      • Ja der MDK hat meiner Krankenkasse im Gutachten mitgeteilt , dass sie mir die Kosten erstatten müssen, wenn ich keinen Platz finde. Seitdem ist meine Kasse ganz still! Komisch gell. Kaum sollen was zahlen – Funkstille – außer die Post einer Sozialarbeiterin – ich könnte an einem NEUEN Programm teilnehmen.. ähm Projekt. Ja klar, die suchen jetzt mal gleich einen Weg , wie man mich von der Bildfläche kratzen kann, damit sie ja nichts zahlen müssen!
        pffff…
        erst zum MDK schicken und dann ganz Still sein !!.. pff

  2. Hallo Annie,
    ich drücke dir die Daumen, dass die nächste Zeit für dich ohne Rückfälle ablaufen wird. Gerade der Weg um Hilfe zu bitten ist schon ein großer Schritt nach vorne und das finde ich persönlich einfach riesig 😉

    Wenn du merkst, dass eine dunkle Phase kommt, konzentrier dich nur auf das, was dir Freude bereitet. Lass all die schönen Momente zurück in dein Leben kommen und falls du mal Ablenkung oder auch mal einen Mann zum reden brauchst, du hast meine Nr. 🙂

    Lg Dirk

  3. Liebe Anni! Ich finde es super, dass ihr die Zeit ohne Therapie so ausführlich besprochen habt! So hast du einen Notfallplan im Kopf und auch wenn du ihn hoffentlich nicht ziehen musst, weißt du, was du tun könntest, im Falle des Falles!
    Zu den Warnzeichen: wie ich gerade gelernt habe, diese können sich verändern, weil man sich selbst ja auch verändert und manchmal kommt ein Tief, auch wenn man alles dagegen tut. Zum Glück konnte ich einen Krisentermin bei meiner Therapeutin wahrnehmen, obwohl die Therapie ja im letzten Jahr schon abgeschlossen war. Ein Hoch auf gute Therapeuten!!!
    Ich wünsch dir schöne 7 Monate! In diesen wird es Momente geben, wo es schön ist. Und Momente, wo es mal nicht so schön ist. Ich drück dir die Daumen, dass du auf dich achtest und deinen Weg findest!
    Liebe Grüße, Frauke

    • Liebe Frauke,
      danke für deinen lieben Kommentar. Es ist wirklich gut einen Notfallplan im Kopf zu haben. Vielleicht sollte ich mir auch endlich mal eine Notfallkiste zulegen, in der alles drin ist, was ich in einer depressiven Phase gerne vergesse 😉
      Mich freut es, dass deine ehemalige Therapeutin dich nicht einfach abwimmelt, sondern in einem Krisenfall ihre Türe öffnet. Dir steht auch eine Sitzung pro Quartal zu – selbst ohne die Genehmigung zu einer Therapie!
      Hab einen schönen Sonntag!
      Annie

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