Draußen am See

Zur Zeit schaue ich sehr gerne einen Film am Abend. Mit „on demand“ Angeboten ist das ja einfacher als je zuvor geworden. Deshalb schreibe ich heute über einen wirklich guten Film, der mich sehr erschüttert hat.

Für mich war es sehr bedrückend, wie schnell sich eine gut aufgestellte Familie der Mittelschicht unserer Gesellschaft durch ein tiefgreifendes Ereignis emotional zerstört. Die Arbeitslosigkeit des Vaters ist nur ein kleiner Dominostein, der eine ganze Kette an weiteren Dominosteinchen anstößt. Dadurch ist die Kettenreaktion nicht mehr aufzuhalten.

Das größte Mitgefühl hatte ich mit der 14-jährigen Jessika, die ihre ganze Kraft aufbrachte um alles zu retten. Wie soll aber eine Jugendliche ihre Familie kitten, die sich emotional so weit voneinander entfernt hat wie der Nordpol vom Südpol. Zusätzlich trug sie das schwerste Familiengeheimnis in sich und durfte weder nach außen darüber sprechen, noch bekam sie von ihren Eltern Antworten auf ihre Fragen. Ich konnte regelrecht nachempfinden, wie schwer es wiegen muss sich so alleine zu fühlen. Sogar ihre Handlungen und Entscheidungen (Selbstverletzung, Suizidgedanken, etc.) waren einfach nur logisch. Gerade deshalb bewundere ich ihren Mut am Ende das große Familiengeheimnis offen zu legen.

In meinem Kopf wirbeln ganz viele Gedanken und Fragen. Ist es wirklich so einfach eine zusammengehörige Familie auseinanderzureißen? Muss dafür nicht schon vorher das Grundvertrauen der einzelnen Mitglieder angeknackst gewesen sein? Verlieren Eltern, die bisher Interesse an dem Leben ihrer Kinder gezeigt haben, nach ein oder zwei Schicksalsschlägen ihre Empathiefähigkeit? Der drastische Wandel dieser Familie innerhalb kürzester Zeit (ca. 6 Monate) hat mich extrem mitgenommen und ein Stück weit ungläubig zurückgelassen.

Der Film ist sehr sehens- und empfehlenswert. Ich denke er erzählt eine Geschichte, die sich tausendfach in unserer Gesellschaft hinter verschlossenen Türen abspielen kann. Vielleicht ist es endlich an der Zeit aufmerksamer zu werden …

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