Nicht von dieser Welt

Gestern Nacht erlebte ich einen unerträglichen Schmerz der Einsamkeit in meinem Inneren. Eine tiefgehende Trauer und Hoffnungslosigkeit – bis hin zur Verzweiflung. Einfach so, während die Welt da draußen ihren Lauf nimmt. Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob ich überhaupt Teil dieser Welt bin, denn ich fühle mich fremd.

Ich lag also gestern Abend im Bett, hörte zum Einschlafen ein Hörbuch und durch eine sehr emotionale Passage überkamen mich die Gefühle. Von einem Moment auf den anderen spürte ich den Kloß im Hals, der sich vor dem Weinen ankündigt. Allerdings gewährte ich ihm nicht, sich aufzulösen – die Tränen herauszulassen und die Seele ein wenig zu reinigen.

In Zeiten von Facebook bekomme ich (und der Rest der Welt) jeden Tag das Glück der Anderen vors Gesicht gehalten. Ich sehe in meiner Timeline Bilder von lachenden Kindern, schönen Urlaubsmomenten oder frisch Verheirateten. Rund um mich herum entstehen Familien während ich alleine lebe und mich einsam fühle. Selbst die psychisch stärker „Gestörten“ haben es geschafft sich ein Leben aufzubauen.

Vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass man sich schlechter (unglücklicher) fühlt umso mehr man Facebook nutzt. Dort werden in der Regel ja auch nur die tollen Momente des Lebens abgelichtet, welche dem Betrachter ein Gefühl der allumfassenden Glückseligkeit vermitteln sollen. Im Endeffekt ist das alles doch eine oberflächliche Lüge, um sich selbst ein Stück weit profilieren zu wollen. Oder sind die Menschen wirklich rundherum glücklich und zufrieden? Wieso präsentieren sie es dann so öffentlich als müssten alle Betrachter von ihrem Glück überzeugt werden?

Ich bin für meine Freunde immer ein zuverlässiger Ansprechpartner. Sie wissen, dass ich ihnen zuhöre und haben mir schon manches Lob für gute Denkanstöße ausgesprochen. Dieser Fakt ließ mich heute jedoch frustriert in meiner Küche stehen während ich spülte. Ich entwickelte regelrecht gemeine Gedanken:

„Die haben Familie und Kinder, sind gesichert im Leben und kommen trotzdem ständig mit ihren Problemen an. Wieso haben die überhaupt Probleme? Die sollen mal fühlen, wie schmerzhaft die Einsamkeit ist, die ich tagtäglich ertragen muss. Ohne Stütze an meiner Seite. Immer kämpfend! Interessiert es sie denn wirklich auch einmal wie es mir geht? Wo meine Kraft herkommt?“

Unabhängig, wer mich um Rat fragt, versuche ich positiv zu sein – positive Sichtweisen zu vermitteln. Auch mir gegenüber versuche ich jede negative Begebenheit auf positive Möglichkeiten abzuklopfen. Doch dann überfluten mich diese Momente wie heute, in denen ich darüber nachdenke, wie unsinnig das ganze Unterfangen eigentlich ist. Die Momente, in denen sich das schlechte Gefühl ausweitet und den gesamten Raum zwischen mir und der Welt einnimmt.

Alexandra H. / pixelio.de

6 Gedanken zu “Nicht von dieser Welt

  1. Ach. Ich kann es so gut nachvollziehen. Aber auch in "gesicherten Beziehungen" und mit Familie kann man sich total einsam und alleingelassen fühlen… Ich glaube es ist einfach die Krankheit der Seele die diese Gefühle macht. Liebe GrüßeRallehttp://donralfo.blogspot.de/2010/08/allein.html

  2. Lieber Don Ralfomeinem Verstand ist total klar, dass man z.B. auch in Beziehungen einsam sein kann. Nicht überall ist heiterer Sonnenschein. Es ist mir nur manchmal zu viel das Gefühl ertragen zu müssen. Ganz "allein" sind wir ja alle nicht. Sei es nur übers Netz verknüpft!Ich wünsch dir viel Kraft!Annie

    • Der Beitrag gefällt mir und ich versuche gerade bei FB so wenig wie möglich von mir preiszugeben. Mein Leben besteht nicht nur aus Glitzermomenten, was völlig normal ist. Es ist ja mittlerweile erwiesen, dass wir durch die ganzen Highlights, die uns dort Tag für Tag entgegenblinken, in uns drin noch schlechter fühlen, weil wir es eben nicht erreichen. Wieso ist die Welt so geworden?

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