Gedankenkarussell trifft Gefühlschaos

Lene ist eingezogen!

Rennmaus Lene

Lene ist 7 Wochen alt und wird ab sofort mit meiner 2-jährigen Lotte zusammen leben. Lotte hatte vor einer Woche plötzlich ihre Partnerin verloren. Da Rennmäuse sehr soziale Tiere sind, war für mich klar, dass ich ihr schnellst möglich neue Gesellschaft besorgen muss.

Vor zwei Tagen telefonierte ich mit einer Züchterin aus der Nähe. Das war sehr aufregend, denn ich bin ja überhaupt nicht der Typ, der gerne mit Fremden telefoniert. Die Frau redete und redete und redete, aber wirkte sehr freundlich. In meinem Kopf sprang eine Schublade meiner Kategorisierungskommode auf: Person spricht sehr viel über ihr Hobby. Person wirkt sehr selbstbewusst. Person ist von sich überzeugt, das allumfassende Wissen zu haben.– Schublade zu!

Ich vermute jeder von uns möchte solche Eingruppierungen vermeiden. Trotzdem bin ich überzeugt, dass sie in jedem Kopf stattfinden. Mir bescheren sie häufig alle möglichen negativen Gedanke und Gefühlen – egal ob begründet oder nicht.

Wir vereinbarten den Samstag, damit ich die Mäuschen bei ihr vor Ort anschauen kann. Mir ist wichtig die Umgebung sehen zu können, in der die Kleinen aufwachsen und auch die Züchterin persönlich kennenzulernen. Das ist schon echt schräg, wenn ich bedenke wie ungern ich sonst in soziale Interaktion gehe. Mein überaus kluger Kopf bemerkte es auch. Er war der Ansicht, mir mögliche gedankliche Szenarien in einem oskarreifen Film präsentieren zu müssen.

Hey Annie, was ist wenn die Person dich sieht und dich schrecklich hässlich findet? Was ist, wenn sie dich testet, ob du wirklich über Rennmäuse bescheid weißt? Was ist, wenn sie dich nicht gut für die Mäuse hält? Wie kommste schnell wieder aus der Wohnung raus? Was ist, wenn ihr euch anschweigt?“

Ach Kopf, weißte was?? SHUT UP

Soweit es mir möglich war steuerte ich dagegen. Ich stellte mir vor, wie die Situation positiv verlaufen könnte. Als ich gestern – dem großen Tag – aufwachte, spielte ich gedanklich die Rückfahrt mit dem neuen Mäuschen durch. Das war ein dermaßen schönes Gefühl, welches mir das Aufstehen sehr erleichterte. Im Laufe des Vormittags habe ich das Gehege für die Vergesellschaftung vorbereitet. Ich hoffte alles möge gut gehen. Zu oft habe ich schon negative Erfahrungen gelesen. Allerdings bei meiner bisher einzigen keine gemacht. Mein Kopf war auch in diesem Fall ein mächtiger Gegner. Es kostete Mühe, gegen die Gedanken der möglichen Gefahren anzukämpfen.

„Was ist, wenn die Kleine auf der Fahrt stirbt? Was ist, wenn sie krank sein sollte? Was ist, wenn Lotte aggressiv reagiert? Was ist, wenn Lotte sie beißt? Was ist, wenn du etwas falsch machst?“

Der Kontakt mit der Züchterin war entgegen meiner Gedanken sehr angenehm. Ich war dort sogar länger als vorher geplant, weil ich mich einfach nicht von den vielen süßen Mäuschen trennen konnte. Das Aussuchen war auch echt schwierig. Am liebsten hätte ich alle mitgenommen! Mein erster Schubladeneindruck von der Frau blieb jedoch bestehen, aber ich muss ja auch keine innige Freundschaft eingehen. Daher belasse ich es einfach dabei.

Lotte hat sich am Trenngitter sehr ruhig verhalten. Da muss ich meine Große wirklich loben – sie hat schon einige Sonnenblumenkerne eingeheimst. Da die Nacht ruhig verlief, beschloss ich heute morgen beide zusammenzusetzen. Sie beschnupperten sich und das wars; kein Jagen, kein Kämpfen, kein Beißen. Sie schlafen sogar schon zusammen in einem Nestchen.

Siehste Kopf: Nichts, rein gar NICHTS ist so eingetroffen, wie du wieder gedacht hast!

Kuscheln tut gut

 

6 Gedanken zu “Gedankenkarussell trifft Gefühlschaos

  1. Hast du toll beschrieben Annie,was einen die Gedanken und die eigenen Ängste immer alles vorgaukeln – unglaublich.Alles ist gut, alles bleibt gut.Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht."Alle drei sind glücklich und zufrieden". SchönHG Ede

    • Liebe Ededanke für deine kurze Rückmeldung! Alle drei sind glücklich stimmt nur bedingt, ich bin glücklich und gleichzeitig immer wieder besorgt, ob alles gut geht. Letzte Nacht habe ich sogar die Türen offen gelassen, damit ich gleich bemerke, wenn es Radau gibt. Wie eine Mutti :-)Annie

  2. Hallo Annie,oh ein neuer Freund für Lotte. Es wird ihr sicher bei dir gefallen. Oft blokiert unser Kopf uns einfach und durch das Gedankenspiel und Spinnerei bremst man sich selbst. Gut das du schon etwas dagegen steuern konntest und dann doch nicht negativ überrascht worden bist.Liebe Grüße Tanja

    • Liebe Tanjaauch dir danke für deinen Kommentar. Unser Kopf ist eben sehr schlau und warnt uns ja auch, was grundsätzlich erstmal nicht schlecht ist. Allerdings ist es auch nicht gut immer nur das Negative zu denken und dadurch schlechte Gefühle zu produzieren. Immer schön mit dem eigenen Kopf diskutieren!Lotte ist glaube ich sehr froh nicht mehr alleine kuscheln zu müssen. Annie

  3. Liebe Annie,

    wie sehr ich bei diesem Beitrag schmunzeln musste – danke dafür! Und, wie soll es anders sein, habe ich zu deinem angesprochenen Schubladendenken auch auf meinem Blog einen Beitrag geschrieben. Vielleicht gefällt er dir:
    https://hochsensibel1753.wordpress.com/2015/09/05/das-chamaeleon-in-der-schublade/

    Und all diese Gedanken und Annahmen, die du im Vorfeld triffst, kenne ich zu Genüge auch von mir selbst. Gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, deren Gedankenflut ab und an nicht abebben mag.

    Wie geht es denn deinen Rennmäusen jetzt?

    Liebe Grüße,
    Julia

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